Warum weiß ich gerade nicht, was ich vom Leben will?

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Es gibt Zeiten, in denen du ziemlich genau weißt, wohin du möchtest. Du hast Pläne, freust dich auf etwas oder arbeitest auf ein Ziel hin. Und dann gibt es Phasen, in denen diese Richtung fehlt. Du erledigst deinen Alltag, kümmerst dich um das, was ansteht, und trotzdem taucht die Frage auf: Was will ich eigentlich mit meinem Leben anfangen? Besonders irritierend ist es, wenn du darauf keine klare Antwort findest und höchstens sagen kannst: So wie bisher möchte ich nicht unbedingt weitermachen.

Orientierungslosigkeit im Leben kann entstehen, wenn eine Richtung, die lange selbstverständlich war, nicht mehr richtig zu dir passt. Ein Beruf erfüllt dich nicht mehr wie früher, ein altes Ziel verliert an Bedeutung oder du merkst, dass du dein Leben in Zukunft anders gestalten möchtest. Menschen verändern sich, Erfahrungen kommen hinzu und Prioritäten verschieben sich. Schwierig wird es vor allem dann, wenn das Alte bereits an Bedeutung verliert, das Neue aber noch keine erkennbare Form hat.

Wenn du gerade nicht weißt, was du willst, lohnt es sich deshalb zunächst zu unterscheiden, was dir eigentlich fehlt. Du kannst keine Vorstellung davon haben, wie du künftig leben möchtest. Du kannst ziemlich genau wissen, was du nicht mehr möchtest, ohne eine Alternative zu kennen. Oder du weißt längst, was du gern verändern würdest, hast aber keine Ahnung, wie du dieses Ziel erreichen kannst.

Dieser Unterschied ist wichtig. Wer seinen Beruf nicht mehr machen möchte, aber nicht weiß, welche Arbeit besser passen könnte, sucht nach einer neuen Richtung. Wer dagegen längst davon träumt, selbstständig zu arbeiten, anders zu wohnen oder sein Leben freier einzuteilen, hat bereits eine Richtung. Dann fehlt möglicherweise nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin.

Eine weitere Frage kann helfen: Was will ich im Leben wirklich – und welche meiner bisherigen Ziele habe ich irgendwann einfach übernommen? Ein sicherer Beruf, beruflicher Erfolg oder eine bestimmte Vorstellung davon, wie ein gelungenes Leben aussehen sollte, können zu dir passen. Sie müssen es aber nicht. Erwartungen aus der Familie, dem Umfeld oder der Gesellschaft können lange beeinflussen, was wir für erstrebenswert halten. Erst wenn ein erreichtes Ziel weniger bedeutet als gedacht oder die Aussicht auf viele weitere Jahre genauso wenig verlockend ist, fällt auf, dass die eigene Vorstellung inzwischen eine andere sein könnte.

Die Antwort darauf entsteht nicht immer durch noch mehr Nachdenken. Es ist schwer zu beurteilen, ob ein anderes Leben zu dir passt, wenn du kaum etwas davon kennst. Manches lässt sich erst herausfinden, wenn du Erfahrungen machst, die in deinem bisherigen Alltag nicht vorkamen.

Manche Menschen nehmen sich deshalb eine längere Auszeit oder reisen für einige Monate und lernen dabei andere Lebensweisen und Möglichkeiten kennen. Das kann etwas sichtbar machen, das sie sich vorher theoretisch nicht vorstellen konnten. Dafür musst du aber weder kündigen noch um die Welt reisen. Du kannst eine Tätigkeit ausprobieren, ein eigenes Projekt beginnen, einen Kurs besuchen, anders arbeiten, allein verreisen oder Menschen kennenlernen, deren Alltag sich deutlich von deinem unterscheidet. Eine solche Erfahrung kann dir zeigen, was zu dir passt – und ebenso, was du nicht möchtest.

Und dann gibt es die Situation, in der dein Wunsch längst klar ist. Du kannst dir vorstellen, wie du lieber leben würdest, nur erscheint der Weg dorthin schwierig. Geld, Zeit, Verantwortung für andere Menschen oder fehlende Möglichkeiten können eine Veränderung begrenzen. Ein Wunsch kann dadurch so weit entfernt wirken, dass du sogar anfängst, an ihm zu zweifeln.

Dann lautet die eigentliche Frage nicht mehr: Was will ich im Leben? Du weißt es bereits. Die schwierigere Frage lautet: Wie komme ich von hier dorthin? Darauf brauchst du nicht sofort eine vollständige Antwort. Große Veränderungen entstehen oft aus mehreren kleinen Schritten: Informationen sammeln, etwas nebenbei ausprobieren, Fähigkeiten lernen, Geld zurücklegen oder prüfen, ob eine Idee im Alltag tatsächlich funktioniert. So kann aus einer Vorstellung nach und nach eine reale Möglichkeit werden.

Auch ein Versuch, der nicht zu dir passt, war deshalb nicht umsonst. Er hat dir eine Antwort gegeben, die du vorher nicht hattest. Zu erkennen, was du nicht möchtest, kann die Auswahl kleiner und die eigene Richtung deutlicher machen.

Du musst heute noch nicht wissen, wie dein Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen soll. Orientierung kann damit beginnen, dass du merkst, was nicht mehr zu dir passt, neugierig auf etwas Neues wirst und einen ersten Schritt ausprobierst. Aus einem unklaren „Ich weiß gerade nicht, was ich will“ kann so nach und nach eine Richtung entstehen, die du selbst gewählt hast.

Welche Vorstellung von deinem zukünftigen Leben macht dich neugierig genug, um ihr ein Stück entgegenzugehen?




Wenn du die Orientierungslosigkeit noch aus einer persönlicheren Perspektive kennenlernen möchtest, findest du sie in „Ich bin dein Gefühl – Band II: Schatten – Die herausfordernden Gefühle“. Dort kommt die Orientierungslosigkeit, neben vielen anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt davon, wie es sich anfühlen kann, wenn vertraute Wege nicht mehr passen und die neue Richtung noch nicht sichtbar ist. Auf den anschließenden Reflexionsseiten kannst du deine eigenen Gedanken festhalten und genauer betrachten, was du willst, was sich verändert hat und wonach du gerade suchst.

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Wenn du Gefühle noch besser verstehen möchtest

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Die vier Bände der Buchreihe „Ich bin dein Gefühl“ von Aveline Gray
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