Unsicherheit

Unsicherheit entsteht, wenn uns Klarheit, Orientierung oder Vertrauen in eine Situation fehlt. Hier findest du künftig Beiträge darüber, wie Unsicherheit entsteht und wie sie Entscheidungen beeinflussen kann.

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Das Alte überzeugt dich nicht mehr ganz, aber du weißt noch nicht, wovon du stattdessen überzeugt bist. Zwischen „Das stimmt für mich“ und „Ich sehe das jetzt anders“ liegt ein Zustand, den wir nicht immer gut aushalten: Ich weiß es gerade nicht.

Besonders schwer kann das werden, wenn du dem anderen die Aufgabe nicht richtig zutraust. Möglicherweise hast du schon erlebt, dass etwas vergessen, zu spät erledigt oder nur halb fertig zurückgegeben wurde. Dann hat deine Zurückhaltung einen konkreten Grund. Etwas anderes ist es, wenn der andere die Aufgabe durchaus bewältigen kann, aber anders vorgeht als du. Dann lohnt sich die Frage: Ist das Ergebnis tatsächlich schlechter oder ist nur der Weg dorthin ein anderer?

Unsichtbar zu sein und gerade nicht im Mittelpunkt zu stehen, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Du kannst lange zuhören und dich trotzdem zugehörig fühlen. Du kannst wenig sagen und merken, dass die anderen dich wahrnehmen. Und du kannst viel reden und trotzdem das Gefühl haben, dass niemand wirklich auf das eingeht, was du sagst.

Nur ist dieser Abstand nicht unbedingt Härte. Vieles von dem, was wir so nennen, sind eigentlich andere Fähigkeiten: unterscheiden, was zu dir gehört und was nicht, Nein sagen, eine eigene Meinung vertreten, etwas einfordern und bei einer Entscheidung bleiben. Dafür musst du nicht kälter oder gefühlloser werden.

Du bekommst zwei unterschiedliche Botschaften von demselben Menschen. Seine Worte sagen das eine, sein Verhalten vermittelt dir etwas anderes. Und irgendwann fragst du dich: Was davon stimmt denn nun?

Wenn du gerade nicht weißt, was du willst, lohnt es sich deshalb zunächst zu unterscheiden, was dir eigentlich fehlt. Du kannst keine Vorstellung davon haben, wie du künftig leben möchtest. Du kannst ziemlich genau wissen, was du nicht mehr möchtest, ohne eine Alternative zu kennen. Oder du weißt längst, was du gern verändern würdest, hast aber keine Ahnung, wie du dieses Ziel erreichen kannst.

Hoffnung ist dabei etwas anderes als Erwartung. Wenn du etwas erwartest, gehst du eher davon aus, dass es tatsächlich eintreten wird. Du hoffst dagegen auch dann, wenn du weißt, dass es wahrscheinlich anders kommen wird. Du kannst dich sogar schon darauf einstellen, dass es nicht klappt, und trotzdem einen kleinen Rest Hoffnung behalten.

Dann beginnt leicht das Kopfkino: Was denkt der andere jetzt über mich? Sieht er mich anders? Wird er es jemandem erzählen? Dabei hilft eine einfache Unterscheidung: Was ist tatsächlich passiert, und was stellst du dir gerade vor?

Erfahrung kann vieles vertrauter machen. Sie kann dir allerdings nicht versprechen, dass das nächste Mal genauso verläuft wie die Male davor. Du kennst eine Situation – aber du kennst ihren nächsten Verlauf noch nicht.

Eigentlich gibt es gerade keinen Anlass zur Sorge, aber ein Teil von dir wartet schon darauf, ob sich das ändert. Die Ruhe steht dann unter einem kleinen Vorbehalt: Im Moment ist alles in Ordnung. Mal sehen, wie lange.

Das muss nicht bedeuten, dass jemand alles und jeden kontrollieren möchte. Vorbereitung kann schlicht dabei helfen, sich auf eine Situation einzustellen. Der eine kann einen begonnenen Plan ohne Weiteres fallen lassen und sich auf etwas Neues freuen.

Du magst einen Menschen. Du freust dich, ihn zu sehen, denkst an ihn und möchtest ihm eigentlich näherkommen. Und trotzdem hältst du dich zurück. Du sagst nicht, was du empfindest, oder wartest auf ein deutlicheres Zeichen.

Du lernst jemanden kennen und kannst noch gar nicht genau sagen, was dich stört. Der Mensch ist freundlich, das Gespräch eigentlich angenehm, und trotzdem ist da plötzlich dieses Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht.

Du weißt eigentlich längst, was du tun möchtest. Die Nachricht ist geschrieben. Die Bewerbung ist fertig. Du möchtest ein schwieriges Gespräch führen, etwas Neues beginnen oder einen Schritt gehen, über den du schon lange nachdenkst.

Du sitzt mit Menschen zusammen, die du gern um dich hast. Das Gespräch ist leicht, ihr lacht, und für einen Augenblick denkst du: Wie schön das gerade ist. Doch kaum ist die Freude da, kommt schon ein zweiter Gedanke hinterher.

Dass Ausschluss uns beschäftigt, ist keine Frage mangelnden Selbstbewusstseins. Man kann selbstständig, selbstbewusst und erwachsen sein und trotzdem merken, dass es weh tut, bewusst nicht einbezogen zu werden. Ausschluss berührt mehrere Dinge gleichzeitig.

Du hast die Möglichkeiten längst vor dir. Du hast nachgedacht, verglichen und vielleicht schon jemanden gefragt. Eigentlich müsste jetzt nur noch die Entscheidung kommen. Stattdessen fängst du noch einmal von vorne an.

Menschen wollen dazugehören. In Beziehungen, Familien, Freundeskreisen oder anderen Gruppen möchten wir willkommen sein, ernst genommen und geschätzt werden. Deshalb geht es bei der Meinung anderer oft um mehr als darum, ob jemand eine einzelne Entscheidung gut findet.

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