Ambivalenz

Ambivalenz bedeutet, gleichzeitig widersprüchliche Gefühle oder Gedanken zu erleben. Hier findest du künftig Beiträge darüber, wie Ambivalenz entsteht und warum sie zum Leben dazugehört.

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Schwierig wird es häufig erst durch die Bedeutung, die wir dem Abstand geben. Aus einem „Ich möchte gerade nicht umarmt werden“ kann im Kopf schnell ein „Ich möchte dich nicht“ werden. Doch das sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen.

Genau deshalb können Freude und Wehmut gleichzeitig auftauchen. Du freust dich darüber, wo du bist und was du gerade erlebst. Und du bist wehmütig, weil du weißt, dass es zeitlich begrenzt ist. Das widerspricht sich nicht.

Mitgefühl und die Bewertung eines Verhaltens sind nicht dasselbe. Du kannst erkennen, dass ein Mensch leidet, ohne deshalb anders über das zu denken, was er getan hat. Wenn dir seine Traurigkeit, seine Angst oder seine Verzweiflung leidtut, sprichst du ihn damit nicht von seiner Verantwortung frei.

Ein Neuanfang muss nicht aus einer Krise entstehen. Wir verändern uns auch dann, wenn unser Leben gut läuft. Wir sammeln Erfahrungen, lernen neue Menschen und Möglichkeiten kennen, entdecken Interessen und merken mit der Zeit deutlicher, was uns wichtig ist.

Nicht mehr brauchen und nicht mehr haben wollen sind eben zwei verschiedene Dinge. Wir beurteilen unseren Besitz nicht ausschließlich danach, wie häufig wir ihn benutzen. Ein Gegenstand kann uns etwas bedeuten, obwohl er überhaupt keinen praktischen Zweck erfüllt.

Und trotzdem gibt es diese Augenblicke, in denen ausgerechnet diese Freiheit ein wenig einsam wirkt. Nicht, weil du plötzlich anders leben möchtest. Auch nicht, weil dir deine Unabhängigkeit weniger wichtig geworden ist. Es fehlt nur etwas, das mit Freiheit allein nicht automatisch da ist: ein anderer Mensch, der an deinem Leben teilhat.

Früher hast du jede freie Minute mit einem bestimmten Hobby verbracht. Du wolltest unbedingt an einem bestimmten Ort leben, hattest ein Ziel, für das du viel getan hast, oder konntest dir dein Leben gar nicht anders vorstellen. Heute spielt all das kaum noch eine Rolle.

Eine Leistung kann also anerkennenswert bleiben, auch wenn du mit der Person dahinter wenig anfangen kannst. Du musst deine Meinung über ihre Fähigkeiten nicht zurücknehmen, nur weil dir ihr Verhalten nicht gefällt. Sympathie, Zustimmung und Bewunderung können miteinander verbunden sein, müssen es aber nicht.

Du möchtest nicht zurück, willst keine Nachricht schreiben und auch keinen neuen Versuch starten. Und trotzdem fehlt dir dieser Mensch. Das kann irritieren. Denn jemanden zu vermissen bedeutet nicht automatisch, ihn wieder in seinem Leben haben zu wollen.

So eindeutig muss deine Erleichterung aber gar nicht sein. Denn du kannst dich ehrlich auf einen Menschen freuen und gleichzeitig froh darüber sein, dass du heute nicht mehr losmusst. Diese Gefühle beziehen sich nicht unbedingt auf dasselbe.

Doch du kannst eine Veränderung wollen und trotzdem traurig über das sein, was mit ihr zu Ende geht. Denn „Ich wollte diese Veränderung“ bedeutet nicht automatisch: Ich wollte auch alles verlieren oder zurücklassen, was mit ihr verbunden war.

Du kannst einem Menschen seinen Erfolg von Herzen gönnen und trotzdem spüren, dass sein Glück etwas in dir berührt. Neid bedeutet nicht automatisch, dass du möchtest, dass der andere verliert, was er hat.

Du merkst, dass etwas in dir los ist, bekommst aber nicht richtig zu fassen, was genau. Gefühle lassen sich nicht immer eindeutig benennen – und manchmal ist das auch gar nicht nötig, um sich zu verstehen.

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