Warum möchte ich andere unbedingt für das begeistern, was mich selbst begeistert?

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Du hast ein Buch gelesen, das du kaum aus der Hand legen konntest, und möchtest es sofort jemandem empfehlen. Du hörst ein Lied und spielst es einem anderen vor, weil du sicher bist, dass er es auch mögen wird. Oder du hast ein Hobby entdeckt, das dir so viel Freude macht, dass du am liebsten noch jemanden mitnehmen würdest.

Wenn uns etwas wirklich begeistert, behalten wir diese Freude oft nicht für uns. Wir erzählen davon, empfehlen, zeigen, schwärmen und hoffen, dass der andere versteht, was wir daran so großartig finden. Dahinter steckt häufig ein einfacher Wunsch: Wir möchten etwas Schönes teilen.

Schon das Erzählen kann die eigene Begeisterung noch einmal aufleben lassen. Während du von einem Konzert berichtest, erinnerst du dich an die Stimmung, an bestimmte Lieder oder an einen besonderen Moment. Du erlebst einen Teil deiner Freude noch einmal und nimmst den anderen dabei ein Stück weit mit.

Und tatsächlich kann Begeisterung ansteckend sein. Wenn jemand mit leuchtenden Augen erzählt, lacht, lebhaft wird und kaum weiß, womit er anfangen soll, merken wir schnell, wie viel ihm etwas bedeutet. Selbst wenn uns das Thema vorher kaum interessiert hat, können wir neugierig werden.

Besonders schön ist es, wenn der Funke wirklich überspringt. Du empfiehlst jemandem ein Buch und ein paar Tage später diskutiert ihr über die Figuren. Oder du nimmst einen Freund mit zu einem Konzert und beim nächsten Mal kauft er selbst die Karten. Aus deiner Begeisterung ist etwas Gemeinsames geworden. Ihr könnt euch darüber austauschen, etwas zusammen unternehmen und später Erinnerungen teilen. Ein „Weißt du noch, damals …?“ kann Jahre später etwas zurückholen, das mit einem einzigen begeisterten „Das musst du unbedingt mal ausprobieren“ begonnen hat.

In einer Gruppe kann sich dieser Effekt noch verstärken. Einer reißt den nächsten mit, die Stimmung wächst und viele freuen sich gemeinsam über etwas. Bei einem Konzert, einer Veranstaltung oder einem gemeinsamen Hobby kann genau dieses Miteinander das Gefühl verstärken, zusammenzugehören.

Ob unsere Begeisterung andere erreicht, hängt auch davon ab, wie wir sie weitergeben. Eine nüchterne Empfehlung wirkt anders als eine Geschichte, bei der der andere versteht, warum uns etwas so gepackt hat. Wir können erzählen, zeigen, jemanden mitnehmen oder ihn etwas selbst ausprobieren lassen. So lässt sich Begeisterung leichter nachvollziehen. Ob daraus beim anderen dieselbe Begeisterung entsteht, können wir trotzdem nicht bestimmen.

Was uns begeistert, sagt oft auch etwas über uns selbst aus. Unsere Interessen zeigen, womit wir gerne unsere Zeit verbringen, worüber wir mehr wissen möchten und was uns Freude macht. Wenn wir einem anderen begeistert davon erzählen, zeigen wir ihm deshalb auch ein kleines Stück von uns.

Das erklärt, warum seine Reaktion durchaus etwas mit uns machen kann. Wenn du voller Vorfreude dein Lieblingslied vorspielst und dein Gegenüber nach wenigen Sekunden nur sagt: „Nicht so meins“, kann das enttäuschen. Denn für dich war es nicht irgendein Lied, sondern etwas, das dir selbst viel bedeutet.

Trotzdem muss der andere nicht dieselbe Begeisterung empfinden, damit ein schöner Austausch entsteht. Zwischen „Ich finde das genauso großartig wie du“ und völliger Gleichgültigkeit liegt eine Menge.

Stell dir vor, jemand zeigt dir voller Stolz seine Briefmarkensammlung. Du interessierst dich überhaupt nicht für Briefmarken. Trotzdem kannst du dir ansehen, was er gesammelt hat, nach einer besonderen Marke fragen oder dir erklären lassen, warum ein bestimmtes Stück so selten ist. Du begeisterst dich dann nicht unbedingt für die Briefmarken. Aber du interessierst dich für den Menschen und für das, was ihm Freude macht. Auch das ist eine Form von Wertschätzung.

Gerade unterschiedliche Begeisterungen können Beziehungen und Freundschaften interessant machen. Zwei Menschen müssen nicht ständig dasselbe tun. Der eine verbringt seinen Nachmittag beim Sport, der andere widmet sich seinem eigenen Hobby. Wenn beide später wieder zusammenkommen, bringt jeder eigene Erlebnisse, Gedanken und Wissen mit. So erfahren wir durch andere auch etwas über Dinge, mit denen wir uns selbst nie beschäftigt hätten.

Und daraus kann etwas Neues entstehen. Erst hörst du nur zu. Dann wirst du neugierig. Irgendwann probierst du es selbst aus und stellst fest, dass dir etwas gefällt, das du vorher kaum beachtet hast. Die Begeisterung eines anderen kann so den eigenen Blick erweitern, ohne dass von Anfang an feststehen muss, wohin das führt.

Genauso gut kann der Funke ausbleiben. Dein Freund liest das Buch und findet es mittelmäßig. Deine Partnerin kommt einmal mit zu deinem Hobby und weiß danach ziemlich sicher, dass es ihres nicht wird. Menschen begeistern sich für unterschiedliche Dinge – und das ist kein Mangel an Verbundenheit.

Schwierig wird es eher, wenn aus dem Wunsch zu teilen eine Erwartung wird. Wenn wir immer wieder nachfragen, warum das empfohlene Buch noch nicht gelesen wurde, oder nicht verstehen können, weshalb jemand unser Hobby nach dem ersten Versuch nicht genauso liebt wie wir, geht es irgendwann nicht mehr nur darum, Freude weiterzugeben.

Begeisterung lässt sich anbieten, aber nicht verlangen. Wir können andere mitnehmen, ihnen erzählen, warum uns etwas so viel bedeutet, und uns freuen, wenn sie neugierig werden. Aus deiner Begeisterung kann unsere werden. Sie muss es aber nicht. Ein anderer Mensch kann sich mit dir über deine Freude freuen und trotzdem bei seinen eigenen Leidenschaften bleiben.

Hast du schon einmal versucht, einen anderen Menschen mit deiner Begeisterung anzustecken? Ist der Funke übergesprungen – oder hat dein Gegenüber ganz anders reagiert, als du erwartet hattest? Und wie ist es umgekehrt: Hat dich die Begeisterung eines anderen schon einmal für etwas interessiert, mit dem du vorher kaum etwas anfangen konntest?




Wenn du der Begeisterung noch auf einer persönlicheren Ebene begegnen möchtest, findest du sie in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort bekommt die Begeisterung, neben vielen anderen hellen Gefühlen, selbst das Wort und erzählt aus ihrer eigenen Sicht von dem inneren Funken, der uns mitreißen und auch auf andere überspringen kann. Danach führen dich Reflexionsseiten zurück zu deiner eigenen Erfahrung: zu dem, was dich wirklich begeistert, wann du dich zuletzt mitreißen ließest und welchen Platz Begeisterung in deinem Alltag hat.

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Die vier Bände der Buchreihe „Ich bin dein Gefühl“ von Aveline Gray
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