Warum hoffe ich weiter, obwohl die Chancen gering sind?

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Eigentlich weißt du, dass die Chancen nicht besonders gut stehen. Vieles spricht dagegen, dass es so ausgeht, wie du es dir wünschst. Du rechnest sogar damit, dass es nicht klappt. Und trotzdem ist da noch dieser Gedanke: Es könnte doch noch gut ausgehen.

Das muss kein Widerspruch sein. Zwischen „unwahrscheinlich“ und „unmöglich“ liegt ein entscheidender Unterschied. Solange etwas noch möglich ist, kann auch eine sehr kleine Chance ausreichen, um Hoffnung zu behalten. Selbst wenn sie sich eher nach 0,001 Prozent als nach fünfzig Prozent anfühlt.

Wie viel diese kleine Möglichkeit für dich bedeutet, hängt auch davon ab, worum es geht. Bei etwas, das dir nicht besonders wichtig ist, wirst du einer winzigen Chance wahrscheinlich weniger Aufmerksamkeit schenken. Geht es dagegen um etwas, das du dir sehr wünschst, können selbst geringe Aussichten noch bedeutsam sein. Die Wahrscheinlichkeit wird dadurch nicht größer. Aber der mögliche Ausgang bedeutet dir genug, um ihn noch nicht ganz abzuschreiben.

Hoffnung ist dabei etwas anderes als Erwartung. Wenn du etwas erwartest, gehst du eher davon aus, dass es tatsächlich eintreten wird. Du hoffst dagegen auch dann, wenn du weißt, dass es wahrscheinlich anders kommen wird. Du kannst dich sogar schon darauf einstellen, dass es nicht klappt, und trotzdem einen kleinen Rest Hoffnung behalten. Realistisch zu sein bedeutet deshalb nicht automatisch, die Hoffnung aufzugeben.

Besonders hartnäckig kann Hoffnung werden, wenn der Ausgang noch offen ist. Stell dir vor, du möchtest etwas kaufen, das überall ausverkauft ist. Es sieht schlecht aus, aber es könnte noch eine Retoure geben oder der Artikel könnte wieder verfügbar werden. Ob das passieren wird, weißt du nicht. Solange es aber auch nicht ausgeschlossen ist, gibt es noch einen Grund, hin und wieder nachzusehen.

Schwieriger wird diese Ungewissheit zwischen Menschen. Jemand zeigt Interesse und zieht sich wieder zurück, antwortet mal sehr herzlich und dann tagelang kaum oder vermeidet eine klare Aussage. Bei solchen widersprüchlichen Signalen kann die Hoffnung bestehen bleiben, dass sich doch noch etwas entwickelt. Wo eine direkte Klärung möglich ist, kann es deshalb sinnvoller sein, nachzufragen, als immer wieder zu überlegen, was eine Nachricht, ein Blick oder ein bestimmtes Verhalten wohl bedeutet.

Ein klares Nein verändert die Situation. Auch danach kann die eigene Hoffnung noch eine Weile da sein. Gefühle verschwinden schließlich nicht auf Kommando. Aber die Hoffnung darauf, dass der andere seine Meinung eines Tages ändert, macht aus seinem Nein kein Vielleicht. Du kannst etwas weiterhin wünschen und gleichzeitig die Entscheidung eines anderen respektieren.

Neben der Frage, ob du noch hoffst, gibt es deshalb eine zweite: Was tust du, solange du noch hoffst?

Du kannst weiter versuchen, den gewünschten Ausgang zu erreichen. Gerade wenn dir etwas sehr wichtig ist, reichen geringe Chancen unter Umständen aus, um noch einen Versuch zu wagen. Genauso kannst du abwarten, weil du selbst ohnehin nichts beeinflussen kannst. Oder du beschließt, keine weitere Zeit oder Kraft mehr einzusetzen, obwohl du innerlich noch nicht jede Hoffnung verloren hast.

Ob sich ein weiterer Versuch für dich lohnt, hängt deshalb nicht allein von der Wahrscheinlichkeit ab. Es macht einen Unterschied, wie wichtig dir das Ergebnis ist und was dich das Dranbleiben kostet. Noch einmal nach einem ausverkauften Gegenstand zu schauen, verlangt wenig. Monate oder Jahre auf etwas auszurichten, das wahrscheinlich nicht eintreten wird, ist etwas anderes. Zeit, Kraft und manchmal auch Geld spielen ebenso eine Rolle wie die Frage, was währenddessen in deinem Leben zu kurz kommt.

Deshalb kann es auch vernünftig sein, ein Ziel nicht länger aktiv zu verfolgen, obwohl die Hoffnung noch nicht vollständig verschwunden ist. Du musst dir nicht einreden, dass dir der Ausgang plötzlich egal geworden ist. Du kannst dir weiterhin wünschen, dass es anders kommt, und deine Aufmerksamkeit trotzdem wieder anderen Dingen zuwenden.

Wer hofft, kann natürlich enttäuscht werden. Doch die Möglichkeit einer Enttäuschung macht die Hoffnung nicht automatisch falsch. Du kannst wissen, dass deine Chancen gering sind, und traurig sein, wenn es tatsächlich nicht klappt. Deine realistische Einschätzung nimmt dem gewünschten Ausgang schließlich nicht seine Bedeutung.

Hoffnung muss auch nicht um jeden Preis bewahrt werden. Sie kann Kraft geben und dazu beitragen, dass wir einen sinnvollen weiteren Versuch unternehmen. Sie kann uns aber auch lange an etwas festhalten, das viel von uns verlangt. Was wir aus unserer Hoffnung machen, ist deshalb mindestens so wichtig wie die Hoffnung selbst.

Zwischen „Das wird bestimmt klappen“ und „Das ist vollkommen ausgeschlossen“ liegt ein großer Bereich. Genau dort kann Hoffnung weiterbestehen. Du kannst kämpfen, abwarten oder dich längst darauf einstellen, dass es anders kommt. Eine kleine Restchance darf für dich noch Bedeutung haben, ohne dass du dein ganzes Leben nach ihr ausrichten musst.

Kennst du eine Situation, in der du auf etwas gehofft hast, obwohl die Chancen nicht besonders gut standen? Hast du weiter etwas dafür getan, einfach abgewartet oder dich innerlich schon darauf eingestellt, dass es nicht klappt? Und was hat dir geholfen zu entscheiden, wie lange du an dieser Hoffnung festhalten möchtest?




Wenn du Hoffnung noch etwas näher kennenlernen möchtest, findest du sie auch in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die stärkenden Gefühle“. Dort kommt Hoffnung, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt aus ihrer eigenen Perspektive, wie sie sich zeigen und anfühlen kann. Die anschließenden Reflexionsseiten laden dich dazu ein, deine eigenen Erfahrungen mit Hoffnung genauer anzusehen und für dich festzuhalten, wann sie dir Kraft gibt, wann sie dich warten lässt und was sie für dich bedeutet.

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