Warum fühlt sich Freiheit manchmal einsam an?

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Du kannst deinen Tag gestalten, wie du möchtest. Du entscheidest selbst, wohin du fährst, wie du deine Abende verbringst, wofür du dein Geld ausgibst und welche Pläne du für dein Leben machst. Du musst dich nicht abstimmen und kannst deine Meinung ändern, ohne dass davon gleich jemand anderes betroffen ist. Diese Freiheit kann sich sehr gut anfühlen.

Und trotzdem gibt es diese Augenblicke, in denen ausgerechnet diese Freiheit ein wenig einsam wirkt. Nicht, weil du plötzlich anders leben möchtest. Auch nicht, weil dir deine Unabhängigkeit weniger wichtig geworden ist. Es fehlt nur etwas, das mit Freiheit allein nicht automatisch da ist: ein anderer Mensch, der an deinem Leben teilhat.

Alleinsein und Einsamkeit sind dabei nicht dasselbe. Du kannst einen ganzen Tag allein verbringen und ihn genießen. Du kannst Single sein und dich durch Freunde, Familie oder andere Menschen eng verbunden fühlen. Ebenso kann jemand in einer Partnerschaft leben und sich einsam fühlen. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Menschen um dich herum sind, sondern ob du die Nähe und Verbundenheit erlebst, die du dir wünschst.

Gerade deshalb können Freiheit und Einsamkeit gleichzeitig vorkommen. Wenn du wenig Rücksicht auf andere nehmen musst, kannst du vieles nach deinen eigenen Vorstellungen entscheiden. Du kannst nach Hause kommen, wann du möchtest, den Samstag nach deinen Vorstellungen verbringen und eine Reise planen, ohne dich mit jemandem abstimmen zu müssen. Auch bei größeren Entscheidungen musst du nicht erst überlegen, was ein anderer davon hält.

Doch dieselbe Freiheit kann auch bedeuten, dass niemand fragt, wann du nach Hause kommst. Dass niemand mit dir den Samstag plant oder sich darauf freut, gemeinsam etwas zu unternehmen. Dass niemand wissen möchte, was du von einer Sache hältst oder ob du gut angekommen bist. Nicht gebraucht zu werden ist dabei nicht das Problem. Dein Wert hängt nicht davon ab, ob ein anderer Mensch etwas von dir möchte. Es kann trotzdem schön sein, im Leben eines Menschen eine Rolle zu spielen und zu wissen: Da ist jemand, der mit mir rechnet.

Ähnlich ist es mit Entscheidungen. Selbst entscheiden zu können, ist ein wichtiger Teil von Freiheit. Wenn allerdings fast alles bei dir liegt, musst du vieles auch selbst abwägen. Es gibt keinen Menschen, den du kurz fragen kannst: „Was meinst du dazu?“ Nicht, weil er für dich entscheiden soll. Eine zweite Sicht kann helfen, einen Gedanken weiterzuführen, einen Zweifel einzuordnen oder etwas zu bemerken, das dir selbst noch nicht aufgefallen ist. Die Entscheidung bleibt deine. Du musst nur nicht jeden Gedanken vorher allein mit dir ausmachen.

Noch deutlicher kann das Fehlen eines anderen Menschen bei schönen Erlebnissen werden. Du stehst auf einer Reise an einem Ort, den du unbedingt sehen wolltest, und er ist genauso beeindruckend, wie du ihn dir vorgestellt hast. Natürlich kannst du diesen Moment allein genießen. Wenn neben dir aber jemand steht, der genauso staunt, entsteht zusätzlich ein gemeinsames Erlebnis. Ein Blick, ein Lachen oder ein Satz reicht oft schon, und später erinnert ihr euch beide daran.

Auch ein Erfolg gehört zunächst dir. Du weißt, wie viel Arbeit darin steckt, kannst dich darüber freuen und stolz auf dich sein. Trotzdem kann ein „Ich wusste, dass du das schaffst“ von einem Menschen, der deinen Weg kennt, etwas Besonderes sein. Du brauchst diese Reaktion nicht, um dich über deinen Erfolg freuen zu können. Es kommt einfach die Freude eines anderen Menschen hinzu.

Bei schwierigen Erlebnissen zeigt sich die andere Seite davon. Eine Niederlage verschwindet nicht, weil jemand dich tröstet. Ein schlechter Tag wird durch eine Umarmung nicht plötzlich gut und ein Problem löst sich nicht dadurch, dass jemand zuhört. Aber es kann einen Unterschied machen, ob du danach allein damit bist oder erzählen kannst, was passiert ist. Jemand muss dafür nicht einmal eine Lösung haben. Es kann schon guttun, wenn du mit dem, was dich gerade beschäftigt, nicht allein am Küchentisch sitzt.

Dabei sind es längst nicht immer die großen Erfolge oder Krisen, bei denen ein anderer Mensch fehlt. Häufig sind es ganz gewöhnliche Dinge. Du kommst nach Hause und würdest gern erzählen, was dir heute passiert ist. Du möchtest mit jemandem essen, über denselben Unsinn lachen oder abends noch ein paar Worte wechseln. Du wünschst dir eine Umarmung oder einfach jemanden neben dir im Bett. Gerade im Alltag kann auffallen, dass Selbstbestimmung etwas anderes ist als Gemeinsamkeit.

Das bedeutet nicht, dass du mit deiner Freiheit unzufrieden bist. Der Wunsch nach Nähe nimmt ihr nichts von ihrem Wert. Du kannst sehr gut mit dir allein sein und trotzdem nicht alles allein erleben wollen.

Auch Verbindlichkeit ist nicht automatisch das Gegenteil von Freiheit. Wenn du dich mit jemandem verabredest oder gemeinsam etwas planst, kannst du in diesem Moment nicht mehr völlig frei über deine Zeit verfügen. Trotzdem muss sich das nicht wie eine unangenehme Einschränkung anfühlen. Es kann genauso schön sein zu wissen, dass jemand auf dich wartet, dass ihr euch aufeinander freut oder gemeinsam etwas vorhabt.

Du musst deine Freiheit nicht weniger schätzen, nur weil dir an einzelnen Tagen jemand fehlt. Du möchtest womöglich gar nicht weniger selbst entscheiden. Du möchtest nur manches von dem, was du selbst entscheidest, nicht immer allein erleben.

Welcher Teil deines Lebens fühlt sich für dich nach echter Freiheit an?




Wenn du das Gefühl Freiheit noch aus einer anderen Perspektive kennenlernen möchtest, findest du es in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort kommt Freiheit, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt von ihrer eigenen Bedeutung und ihren verschiedenen Seiten. Die anschließenden Reflexionsseiten laden dich dazu ein, deinen persönlichen Blick auf Freiheit festzuhalten und weiterzudenken.

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