Warum fühle ich mich Menschen näher, mit denen ich über dieselben Dinge lachen kann?

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Du kennst einen Menschen noch nicht besonders gut. Das Gespräch ist freundlich, aber noch etwas vorsichtig. Dann passiert etwas Komisches, und ihr müsst beide lachen. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil ihr im selben Moment dasselbe lustig findet. Einer sagt noch etwas dazu, der andere greift es auf, und plötzlich ist die Stimmung lockerer. Die erste Zurückhaltung ist ein Stück verschwunden.

Dass Lachen verbindet, liegt nicht nur daran, dass zwei Menschen gleichzeitig lachen. Oft steckt darin ein kleines Wiedererkennen. Eine absurde Situation, eine schräge Bemerkung oder eine bestimmte Art von Humor trifft bei beiden denselben Punkt. Für einen Moment ist klar: Du hast es auch gesehen. Das heißt nicht, dass ihr deshalb dieselben Werte habt oder euch in allem ähnlich seid. Aber an dieser Stelle passt etwas zusammen.

Gerade bei einer neuen Bekanntschaft kann das viel verändern. Einer macht eine Bemerkung, der andere versteht sie sofort und setzt noch etwas drauf. So entsteht schnell ein Hin und Her, das sich von selbst weiterentwickelt. Ihr lacht irgendwann nicht mehr nur über den ursprünglichen Anlass, sondern auch über das, was ihr gemeinsam daraus macht. Aus einem vorsichtigen Gespräch wird ein lebendiger Austausch.

Dabei kann auch die anfängliche Hemmung nachlassen. Wenn eine spontane Bemerkung gut ankommt, überlegst du beim nächsten Satz womöglich schon weniger lange. Du merkst, dass du auch einmal albern sein oder einen schrägen Gedanken aussprechen kannst, ohne erst überlegen zu müssen, wie das beim anderen ankommt. Das Gespräch wird freier, und oft zeigt sich dabei auch mehr von der Persönlichkeit beider Menschen.

Untersuchungen mit Menschen, die sich vorher nicht kannten, geben Hinweise darauf, dass gemeinsames Lachen mit größerer persönlicher Offenheit verbunden sein kann. Ein gemeinsamer lustiger Moment macht aus Fremden nicht sofort Vertraute. Er kann aber die erste Vorsicht verringern. Ähnlich ist es, wenn du überraschend feststellst, dass du dich mit jemandem sehr gut über ein bestimmtes Thema unterhalten kannst: Plötzlich gibt es etwas, an das ihr beide anknüpfen könnt.

In einer Gruppe kommt noch etwas hinzu. Wenn mehrere Menschen über denselben Moment lachen, kann für kurze Zeit ein kleines Wir-Gefühl entstehen. Gerade wenn du vorher eher still warst oder noch nicht wusstest, wie du dich in die Runde einfinden sollst, kann so ein gemeinsamer Moment das Gefühl von Zugehörigkeit stärken. Zu zweit zeigt sich derselbe Effekt oft leiser: Du wirst ungezwungener, reagierst spontaner und die Begegnung fühlt sich vertrauter an.

Gemeinsames Lachen kann deshalb sowohl ein Zeichen von Nähe sein als auch dazu beitragen, dass Nähe wächst. Mit vertrauten Menschen lachen wir häufig ungehemmter, weil wir ihre Reaktionen kennen. Gleichzeitig können gerade solche Momente die Vertrautheit weiter stärken. Nähe und gemeinsames Lachen können sich gegenseitig begünstigen.

Nicht jedes Mitlachen bedeutet allerdings, dass Menschen wirklich denselben Humor haben. Wir lachen auch, weil andere lachen, weil wir freundlich reagieren oder uns an einer gemeinsamen Situation beteiligen wollen. Das macht ein solches Lachen nicht automatisch unehrlich. Nicht jedes Lachen hat denselben Grund, und von außen lässt sich oft gar nicht sicher erkennen, was gerade dahintersteckt.

Ebenso macht es einen Unterschied, ob Menschen miteinander lachen oder ob einer von ihnen zum Gegenstand des Lachens wird. Ein gemeinsamer Witz kann verbinden. Fühlt sich jemand bloßgestellt oder ausgeschlossen, kann das Lachen dagegen Distanz schaffen. Nicht das Lachen an sich entscheidet darüber, was zwischen Menschen entsteht, sondern die Art, wie sie miteinander lachen.

Gleicher Humor bedeutet also nicht, dass zwei Menschen sich in allem ähnlich sind. Aber es kann etwas sehr Vertrautes haben, wenn eine Bemerkung, ein Blick oder eine absurde Situation reicht und der andere sofort versteht, warum du lachen musst. Das Gespräch wird leichter, die Zurückhaltung kleiner, und plötzlich ist da dieser angenehme Eindruck: Wir haben einen Draht zueinander.

Erinnerst du dich an einen Moment, in dem gemeinsames Lachen plötzlich das Eis zwischen dir und einem anderen Menschen gebrochen hat – und daraus ein besonders schönes Gespräch oder ein vertrauter Moment entstanden ist?




Wenn du Humor noch aus einer anderen Perspektive begegnen möchtest, findest du ihn in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort kommt Humor, neben anderen hellen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt auf seine eigene Weise, was er in unserem Erleben bewirken kann. Die Reflexionsseiten im Anschluss geben dir Gelegenheit, an deine eigenen humorvollen, leichten oder verbindenden Momente zu denken und festzuhalten, welche Bedeutung Humor für dich und deine Beziehungen hat.

Passend zu diesem Thema

Ein gemeinsames Essen, ein Spaziergang oder ein Treffen, das ihr früher schon gern gemacht habt, kann weiterhin angeboten werden. Es muss dabei nicht um Ablenkung gehen. Sätze wie „Du musst mal wieder raus“ oder „Das wird dir guttun“ können eher Druck machen.
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch nach Jahren zu trauern bedeutet nicht automatisch, dass jemand im Leben stehen geblieben ist. Ein Mensch kann wieder gern leben und trotzdem jemanden vermissen, der einmal selbstverständlich dazugehört hat. Beides kann nebeneinander bestehen.
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Stolz bekommt häufig noch eine persönliche Note: Ich freue mich für dich. Ich sehe, was du geschafft hast. Und weil du mir wichtig bist, bedeutet mir dein Erfolg selbst etwas.
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wenn es dir ohnehin schon schlecht geht, kann eine zweite Enttäuschung besonders wehtun: Ein Mensch, mit dem du fest gerechnet hast, ist nicht da. Er meldet sich kaum, fragt nicht nach, bietet keine Hilfe an oder zieht sich gerade dann zurück, wenn du Unterstützung gebraucht hättest.
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Finde das Gefühl, das dich gerade beschäftigt

Suche direkt nach einem Gefühl oder öffne die Übersicht mit allen 79 Gefühlen.

Hier kannst du weiterlesen

Besonders schwer kann das werden, wenn du dem anderen die Aufgabe nicht richtig zutraust. Möglicherweise hast du schon erlebt, dass etwas vergessen, zu spät erledigt oder nur halb fertig zurückgegeben wurde. Dann hat deine Zurückhaltung einen konkreten Grund. Etwas anderes ist es, wenn der andere die Aufgabe durchaus bewältigen kann, aber anders vorgeht als du. Dann lohnt sich die Frage:

Besonders schwer kann das werden, wenn du dem anderen die Aufgabe nicht richtig zutraust. Möglicherweise hast du schon erlebt, dass etwas vergessen, zu spät erledigt oder nur halb fertig zurückgegeben wurde. Dann hat deine Zurückhaltung einen konkreten Grund. Etwas anderes ist es, wenn der andere die Aufgabe durchaus bewältigen kann, aber anders vorgeht als du. Dann lohnt sich die Frage: Ist das Ergebnis tatsächlich schlechter oder ist nur der Weg dorthin ein anderer?

Lesedauer: ca. 4 Minuten
Unsichtbar zu sein und gerade nicht im Mittelpunkt zu stehen, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Du kannst lange zuhören und dich trotzdem zugehörig fühlen. Du kannst wenig sagen und merken, dass die anderen dich wahrnehmen. Und du kannst viel reden und trotzdem das Gefühl haben, dass niemand wirklich auf das eingeht, was du sagst.

Unsichtbar zu sein und gerade nicht im Mittelpunkt zu stehen, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Du kannst lange zuhören und dich trotzdem zugehörig fühlen. Du kannst wenig sagen und merken, dass die anderen dich wahrnehmen. Und du kannst viel reden und trotzdem das Gefühl haben, dass niemand wirklich auf das eingeht, was du sagst.

Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der äußere Anlass ist vorbei, aber innerlich läuft der Tag noch ein Stück weiter. Gedanken springen zu dem, was morgen ansteht, zu einem Gespräch oder zu etwas, das du nicht vergessen möchtest.

Der äußere Anlass ist vorbei, aber innerlich läuft der Tag noch ein Stück weiter. Gedanken springen zu dem, was morgen ansteht, zu einem Gespräch oder zu etwas, das du nicht vergessen möchtest.

Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier wird der Unterschied zwischen Neid und Missgunst wichtig. Neid kann bedeuten: Das möchte ich auch haben oder erreichen. Missgunst geht weiter: Du möchtest nicht nur selbst etwas haben, sondern wünschst dir zugleich, dass der andere seinen Vorteil nicht hätte.

Hier wird der Unterschied zwischen Neid und Missgunst wichtig. Neid kann bedeuten: Das möchte ich auch haben oder erreichen. Missgunst geht weiter: Du möchtest nicht nur selbst etwas haben, sondern wünschst dir zugleich, dass der andere seinen Vorteil nicht hätte.

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wenn du Gefühle noch besser verstehen möchtest

Die Buchreihe „Ich bin dein Gefühl“ widmet sich 79 Gefühlen und ihren unterschiedlichen Seiten. Jedes Gefühl kommt selbst zu Wort und zeigt, was es auslösen kann, wie es sich bemerkbar macht und was dahinterliegen könnte. So kannst du das gerade gelesene Gefühl vertiefen und andere Gefühle besser kennenlernen.

Die vier Bände der Buchreihe „Ich bin dein Gefühl“ von Aveline Gray
Nach oben scrollen

Möchtest du neue Artikel nicht verpassen?

Wenn du über neue Beiträge, Bücher und Ratgeber von mir informiert werden möchtest, kannst du dich hier zu meinem Newsletter anmelden.