Du hast einen trauernden Menschen schon mehrmals zum Spaziergang, zum Essen oder auf einen Kaffee eingeladen. Jedes Mal kam eine Absage. Irgendwann fragst du dich, ob du überhaupt noch fragen solltest. Schließlich möchtest du nicht aufdringlich sein oder jemanden zu etwas überreden, wofür gerade die Kraft fehlt.
Trotzdem kann es gut sein, auch weiterhin hin und wieder eine Einladung auszusprechen. Denn eines ist wichtig: Heute möchte ich nicht mitkommen ist nicht dasselbe wie bitte lade mich künftig nicht mehr ein. An einem Tag kann Gesellschaft zu anstrengend sein, an einem anderen wäre genau dieser Spaziergang oder ein gemeinsamer Kaffee wieder schön. Das lässt sich von außen kaum vorhersagen.
Auch die Einladung selbst kann einem trauernden Menschen viel bedeuten. Sie zeigt, dass andere weiterhin an ihn denken und ihn gern dabeihaben möchten. Gerade nach der Beerdigung werden Kontakte häufig seltener. Wenn dann auch die Einladungen ausbleiben, kann es passieren, dass jemand irgendwann gern wieder mitkommen würde, aber gar nicht mehr gefragt wird. Dabei wollte niemand ihn bewusst ausschließen.
Deshalb ist es schön, wenn vertraute Einladungen nicht einfach aufhören. Ein gemeinsames Essen, ein Spaziergang oder ein Treffen, das ihr früher schon gern gemacht habt, kann weiterhin angeboten werden. Es muss dabei nicht um Ablenkung gehen. Sätze wie „Du musst mal wieder raus“ oder „Das wird dir guttun“ können eher Druck machen. Viel freundlicher ist eine ganz normale Einladung, bei der der andere selbst entscheidet, ob er mitkommen möchte.
Natürlich kann es auch für dich enttäuschend sein, immer wieder eine Absage zu bekommen. Du musst deshalb nicht ständig nachfragen oder gleich die nächste Unternehmung vorschlagen. Ein gelegentliches Angebot reicht. Und wenn du unsicher bist, kannst du auch einmal fragen, ob solche Einladungen weiterhin willkommen sind. So musst du nicht jede Absage selbst deuten.
Wenn du wissen möchtest, wie du dich nach einer Absage wieder melden kannst und welche Worte für verschiedene Einladungen passen, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 15 „Nach der Beerdigung: Wenn viele wieder in den Alltag zurückgehen“ viele ausführliche Beispiele. Dort geht es um Einladungen zum Spaziergang, Kaffee oder Essen, um späteren Kontakt, ausbleibende Antworten und darum, wie du in Verbindung bleiben kannst, ohne den anderen zu bedrängen.
Anders ist es, wenn jemand ausdrücklich darum bittet, vorerst keine Einladungen zu bekommen oder eine Zeit lang seine Ruhe haben möchte. Dann solltest du diesen Wunsch respektieren. Mehrere Absagen sind etwas anderes als eine klare Bitte um Abstand.
Wenn der trauernde Mensch irgendwann wieder mitkommt, muss sich das Treffen nicht unbedingt um seine Trauer drehen. Ihr könnt gemeinsam essen, spazieren gehen, über Alltägliches sprechen oder miteinander lachen. Und wenn er von dem verstorbenen Menschen erzählen möchte, kannst du zuhören. Beides ist in Ordnung.
Es ist verständlich, wenn man nach vielen Absagen irgendwann nicht mehr fragen möchte. Doch gerade dann kann es viel bedeuten, den anderen weiterhin bei gemeinsamen Plänen mitzudenken. Niemand weiß, wann er wieder Lust auf Gesellschaft hat. Eine freundliche Einladung ab und zu zeigt ihm, dass er noch dazugehört – auch wenn er diesmal wieder nicht mitkommt.
Wenn du einen trauernden Menschen immer wieder einladen möchtest, aber bei den Worten oder dem richtigen Zeitpunkt unsicher bist, lohnt sich ein Blick in „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“. Kapitel 15 „Nach der Beerdigung: Wenn viele wieder in den Alltag zurückgehen“ enthält viele konkrete Nachrichten und Einladungen für einen Spaziergang, ein gemeinsames Essen oder einen Kaffee. Auch für spätere Kontaktaufnahmen, ausbleibende Antworten und Absagen findest du dort Beispiele, die sich an eure Beziehung anpassen lassen. Diese ausführliche Hilfe ist sowohl im gedruckten Buch als auch im digitalen Ratgeber zum Download enthalten.
Wenn du trotz wiederholter Absagen weiter an jemanden denkst, kann dahinter viel Mitgefühl stecken. In „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ kommt das Mitgefühl, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort. Es beschreibt aus seiner Sicht, wie man einem anderen Menschen zugewandt begegnen kann, ohne etwas zu erzwingen. Anschließend findest du Reflexionsseiten, auf denen du dein eigenes Mitgefühl betrachten kannst – auch die Frage, wie du jemandem freundlich verbunden bleibst und zugleich ein Nein respektierst.
