Warum fällt es mir so schwer, etwas Unveränderbares zu akzeptieren?

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Du weißt längst, dass es nicht mehr zu ändern ist. Eine Entscheidung ist gefallen, eine Beziehung endgültig beendet, eine Gelegenheit vorbei oder ein Mensch nicht mehr da. Dein Verstand hat die Tatsachen verstanden. Trotzdem kehren deine Gedanken immer wieder dorthin zurück. Du stellst dir vor, wie es anders hätte kommen können, wünschst dir einen anderen Ausgang oder merkst, wie sehr sich etwas in dir noch gegen das sträubt, was längst feststeht. Warum fällt es uns so schwer, Dinge zu akzeptieren, an denen wir nichts mehr ändern können?

Etwas zu akzeptieren bedeutet zunächst, die Wirklichkeit anzuerkennen. Das klingt einfacher, als es ist. Denn schnell verbinden wir Akzeptanz mit Zustimmung. Dabei kannst du etwas akzeptieren und es weiterhin ungerecht, traurig oder schrecklich finden. Du musst niemandem verzeihen, nur weil du anerkennst, dass etwas geschehen ist. Und du musst mit einem Verlust nicht irgendwann einverstanden sein. Der Satz „Es ist so“ bedeutet nicht „Es ist gut so“.

Bevor wir etwas als unveränderbar hinnehmen, lohnt allerdings eine andere Frage: Ist es das tatsächlich schon? Solange noch eine reale Möglichkeit besteht, Einfluss zu nehmen, kann es sinnvoll sein, zu widersprechen, nach einer Lösung zu suchen oder eine Entscheidung prüfen zu lassen. Es macht einen Unterschied, ob etwas schwierig zu verändern oder wirklich nicht mehr zu verändern ist.

Ich habe das selbst einmal sehr deutlich erlebt. Meine damalige Wohnung war mein Zuhause, mein Nest, und irgendwann bekam ich eine Kündigung wegen Eigenbedarfs. Ich zweifelte daran, dass der Eigenbedarf tatsächlich bestand, und ging rechtlich dagegen vor. Den Prozess verlor ich. Erst damit stand für mich endgültig fest: Ich muss aus dieser Wohnung ausziehen. Bis dahin hatte ich noch etwas tun können. Danach konnte ich an dieser Tatsache nichts mehr ändern.

Gerade an diesem Punkt hört der Kopf nicht unbedingt auf, nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Dann entstehen Gedanken wie: Wenn ich doch früher … Wenn ich damals anders … Warum habe ich nicht … Was wäre gewesen, wenn …? In der Psychologie spricht man dabei von kontrafaktischem Denken: Wir stellen der Wirklichkeit einen anderen möglichen Verlauf gegenüber. Das kann hilfreich sein, wenn wir daraus etwas für eine spätere Entscheidung lernen. Schwierig wird es, wenn wir dabei immer wieder nach einem anderen Ausgang suchen, obwohl dieser längst nicht mehr möglich ist.

Hinzu kommt, dass mit einer unveränderbaren Tatsache oft weit mehr verloren geht als das, was unmittelbar passiert ist. Als feststand, dass ich aus meiner Wohnung ausziehen musste, verlor ich nicht nur diese Räume. Plötzlich war auch unsicher, wo ich künftig wohnen würde, ob ich in meiner vertrauten Gegend etwas Bezahlbares finden und mich dort wieder zu Hause fühlen würde. An der Kündigung hing eine ganze Vorstellung davon, wie mein Leben in nächster Zeit aussehen sollte.

Bei anderen Veränderungen kann dieser Verlust ungleich größer sein. Eine schwere Krankheitsdiagnose kann gemeinsame Pläne infrage stellen. Mit dem Ende einer Beziehung verschwindet womöglich eine Zukunft, mit der du fest gerechnet hast. Beim Tod eines Menschen endet nicht nur seine Gegenwart. Auch vieles von dem, was ihr noch miteinander erleben wolltet, kann nicht mehr stattfinden. Deshalb müssen wir uns nicht immer nur an eine neue Tatsache gewöhnen. Mit ihr kann auch eine Zukunft verschwinden, die in unseren Gedanken längst einen festen Platz hatte.

Unser Verstand kann dabei schneller sein als unser Erleben. Das habe ich bei meinen Eltern erfahren. Beide erkrankten an Demenz. Mir fiel es vergleichsweise leicht, die Tatsache ihrer Erkrankungen anzuerkennen. Sehr viel schwerer war es, die Veränderungen tatsächlich mitzuerleben. Meine Mutter irgendwann anzusehen und zu wissen, dass sie nicht mehr wusste, wer ich bin. Oder meinen Vater, von dem ich so viel gelernt hatte und der für mich immer ein schier unerschöpfliches Wissen besaß, in einem Zustand zu erleben, in dem davon immer mehr verloren ging. Ich wusste, warum es geschah. Leichter wurde es dadurch nicht.

Gerade bei Krankheit, Tod und anderen schweren Verlusten zeigt sich deutlich, dass Akzeptanz den Schmerz nicht beendet. Du kannst wissen, dass ein Mensch nicht zurückkommt, und ihn weiterhin vermissen. Du kannst eine nicht heilbare Erkrankung anerkennen und trotzdem wünschen, die Krankheitsdiagnose wäre eine andere. Auch etwas, mit dem du im Alltag längst zurechtkommst, kann an einem bestimmten Tag wieder besonders wehtun. Das bedeutet nicht automatisch, dass du die Wirklichkeit nicht akzeptiert hast. Sie hat nur weiterhin eine Bedeutung für dich.

Bei meiner Wohnung veränderte sich etwas Entscheidendes, als feststand, dass ich dort nicht bleiben konnte. Nach langer Suche sah ich ganz in der Nähe ein leer stehendes Ladengeschäft, das eine Wohnungsgenossenschaft zur Vermietung angeboten hatte. Ich rief die Telefonnummer aus der Anzeige an und fragte einfach, ob die Genossenschaft zufällig auch eine Wohnung frei hätte. Tatsächlich war gerade eine frei geworden, noch bevor sie überhaupt angeboten worden war – nur eine Straße von meinem bisherigen Zuhause entfernt. Ich nahm sie und habe mir hier wieder ein Zuhause geschaffen, das längst mein neues Nest geworden ist.

Das ist kein Beispiel dafür, dass jede unfreiwillige Veränderung am Ende zu etwas Gutem führt. Manche Verluste haben keinen Ersatz. Für mich zeigt diese Erfahrung etwas anderes: Nur weil eine Sache nicht mehr veränderbar ist, muss nicht alles unveränderbar geworden sein. Die Kündigung konnte ich nicht mehr rückgängig machen. Wo und wie ich danach leben würde, war dagegen noch nicht entschieden.

Etwas Unveränderbares zu akzeptieren heißt deshalb nicht, sich geschlagen zu geben. Es bedeutet anzuerkennen: Genau diese eine Sache kann ich nicht mehr ändern. Was geschehen ist, bleibt geschehen. Was verloren ist, kann weiterhin fehlen. Aber von diesem Punkt aus gibt es oft noch Entscheidungen, auf die du Einfluss hast. Sie machen das Geschehene nicht besser und ersetzen keinen Verlust. Sie gehören einfach zu dem Teil deines Lebens, der noch nicht feststeht.

Gab es in deinem Leben etwas, das du irgendwann nicht mehr ändern konntest? Was davon war tatsächlich endgültig – und was konntest du trotzdem noch selbst entscheiden oder gestalten?




Wenn du Akzeptanz noch einmal aus einer persönlicheren Perspektive betrachten möchtest, begegnet sie dir auch in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort kommt die Akzeptanz, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt davon, was sich verändern kann, wenn wir anerkennen, was sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Die anschließenden Reflexionsseiten laden dich dazu ein, deine eigenen Erfahrungen festzuhalten und für dich zu betrachten, was du nicht ändern kannst und wo dein eigener Einfluss trotzdem weitergeht.

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