Warum erfüllt mich etwas, obwohl es mich viel Kraft kostet?

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Du hast einen langen Tag hinter dir und bist eigentlich müde. Trotzdem setzt du dich noch an etwas, das dir wichtig ist. Oder du stehst früh auf, um zu trainieren, arbeitest seit Monaten an einem Projekt oder verbringst Stunden mit einer Sache, bei der du dich konzentrieren musst. Es kostet Überwindung, Zeit und Kraft. Und trotzdem möchtest du weitermachen.

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Was uns guttut, müsste sich doch eigentlich leicht anfühlen. Doch so einfach ist es nicht. Etwas kann angenehm sein, ohne uns besonders viel zu bedeuten. Und etwas kann anstrengend sein und uns gleichzeitig sehr viel geben.

Erfüllung hängt deshalb nicht unbedingt davon ab, wie leicht uns etwas fällt. Entscheidender kann sein, was wir in einer Tätigkeit für uns finden. Du merkst, dass du besser wirst, setzt Fähigkeiten ein, die du gern nutzt, oder siehst, wie aus einer Idee nach und nach etwas entsteht. Auch etwas für einen Menschen zu tun, der dir am Herzen liegt, kann eine Aufgabe anstrengend und zugleich erfüllend machen.

Auch die Menschen, mit denen wir etwas tun, können einen Unterschied machen. Eine Arbeit kann anstrengend sein und trotzdem erfüllen, weil du dich mit deinen Kollegen gut verstehst und gern mit ihnen zusammenarbeitest.

Dabei beginnt die Anstrengung häufig schon vor dem eigentlichen Tun. Du bist müde und musst dich erst einmal aufraffen. Du hast keine Lust auf das Training, ziehst deine Sportsachen aber trotzdem an. Erst kommt die Überwindung, überhaupt anzufangen. Danach kommt die Ausdauer, weiterzumachen. Wer für einen Marathon trainiert oder über Monate an einem Projekt arbeitet, wird nicht jeden Tag gleich motiviert sein. Wer weiß, wofür er etwas tut, kann auch an den Tagen weitermachen, an denen es mühsam wird.

Erfüllung bedeutet auch nicht, ständig begeistert zu sein. Langweilige Aufgaben, Fehler, Frust oder Tage ohne große Lust können dazugehören. Die erste Begeisterung kann längst ruhiger geworden sein und uns das, was wir tun, trotzdem weiterhin viel bedeuten.

Erfüllung entsteht außerdem nicht erst, wenn alles fertig ist. Du kannst schon vorher sehen, was gewachsen ist, was du gelernt hast und wie etwas, das einmal nur eine Idee war, langsam Gestalt annimmt.

So kannst du abends völlig müde sein und trotzdem denken: Das war ein guter Tag. Die Anstrengung war da, aber sie war nicht das Einzige, was davon geblieben ist.

Allerdings hat auch eine erfüllende Aufgabe keinen unbegrenzten Anspruch auf deine Kraft. Gerade wenn uns etwas sehr wichtig ist, kann es schwerer werden zu merken, wann es zu viel wird. Noch eine Stunde. Noch dieses eine Problem lösen. Noch ein Wochenende investieren. Auf Dauer können Erholung, Freundschaften, Partnerschaft, Familie oder andere Dinge zu kurz kommen, die ebenfalls wichtig sind.

Deshalb gibt es einen Unterschied zwischen „Das kostet mich Kraft“ und „Das kostet mich mehr Kraft, als ich auf Dauer geben kann“. Du kannst etwas lieben und trotzdem eine Pause brauchen. Du kannst von einem Projekt überzeugt sein und ihm trotzdem Grenzen setzen. Und du kannst ein Ziel weiterverfolgen, ohne ihm alles andere unterzuordnen.

Auch der Ausgang entscheidet nicht darüber, ob der Weg erfüllend war. Ein Erfolg macht nicht automatisch jeden Preis richtig, und ein Scheitern macht die Zeit davor nicht automatisch wertlos. Du kannst dabei gelernt, Freude erlebt oder etwas über dich erfahren haben, auch wenn das gewünschte Ergebnis am Ende ausbleibt.

Darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen Erfüllung und Erfolg. Erfolg zeigt sich daran, ob etwas gelingt oder ein Ziel erreicht wird. Erfüllung kann längst vorher da sein.

Dass etwas Kraft kostet, muss deshalb kein Zeichen dafür sein, dass es nicht zu dir passt. Es kann anstrengend sein und trotzdem genau das sein, womit du deine Zeit verbringen möchtest. Am Ende sagt die Anstrengung allein wenig darüber aus, welchen Wert etwas für dich hat. Denn neben der Frage, was dich etwas kostet, gibt es noch eine zweite: Was gibt es dir?

Wann hast du zuletzt etwas getan, das anstrengend war und dich trotzdem richtig glücklich gemacht hat?




Wenn du Erfüllung noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchtest, begleitet sie dich auch in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort kommt Erfüllung, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt aus ihrer eigenen Sicht, wie sie sich zeigen kann. Auf den anschließenden Reflexionsseiten kannst du deinen eigenen Gedanken dazu nachgehen und festhalten, was sich für dich wirklich erfüllend anfühlt.

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