Ich will alleine sein und meine Ruhe haben

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Manchmal kommt einfach der Punkt, an dem es genug ist. Der Tag war voll, viele Menschen wollten etwas von dir, es gab Gespräche, Entscheidungen, Nachrichten oder Dinge, um die du dich kümmern musstest. Vielleicht war gar nichts Besonderes passiert. Trotzdem merkst du plötzlich ganz deutlich: Ich will alleine sein und meine Ruhe haben.

Dieser Wunsch kann ganz unterschiedliche Auslöser haben. Arbeit kann dazugehören, genauso wie Familie, Verantwortung für andere Menschen, Sorgen oder eigene Themen, die dich beschäftigen. Vielleicht waren viele Menschen um dich herum, du musstest viel reden, Fragen beantworten, Entscheidungen treffen oder dich immer wieder auf andere einstellen. Auch Lärm, Informationen, ständige Erreichbarkeit und all das, was über Handy, Nachrichten oder soziale Medien zusätzlich bei dir ankommt, kann irgendwann einfach viel sein. Und an manchen Tagen merkst du diese Belastung auch daran, dass dich Kleinigkeiten ungewöhnlich schnell nerven.

Dabei muss das, was vorher passiert ist, nicht einmal belastend gewesen sein. Ein Tag mit Menschen, die du magst, eine Feier, ein Ausflug oder ein anderes schönes Erlebnis kann genauso viele Eindrücke hinterlassen wie ein anstrengender Alltag. Nicht alles, was dich erschöpft, muss unangenehm gewesen sein. Auch ein schöner, voller Tag kann irgendwann voll genug sein.

Oft geht es deshalb gar nicht darum, dass du bestimmte Menschen nicht sehen möchtest. Manchmal wollen wir nicht weg von Menschen, sondern für eine Weile weg von Ansprache, Reizen, Verantwortung und dem Gefühl, ständig reagieren zu müssen. Manchmal möchtest du einfach nichts mehr entscheiden, nichts mehr beantworten und für eine Weile vielleicht sogar möglichst wenig denken müssen.

Genauso kann aber das Gegenteil passieren. Wenn ständig etwas Neues dazukommt, bleibt kaum Zeit für einen Gedanken, der schon länger im Hintergrund wartet. Ein Gespräch beschäftigt dich, eine Entscheidung geht dir nach oder irgendetwas ist passiert, über das du eigentlich gerne einmal in Ruhe nachdenken würdest.

Ich möchte endlich denken können.

Oder:

Ich möchte gerade überhaupt nicht mehr denken müssen.

Vielleicht möchtest du deine Gedanken schweifen lassen und etwas in Ruhe zu Ende denken. Oder du willst gerade überhaupt nicht nachdenken, sondern etwas tun, das dir Freude macht. Was dir guttut, kann jedes Mal etwas anderes sein.

Der Wunsch, allein zu sein, bedeutet nicht automatisch, dass du einsam bist oder Menschen nicht magst. Manchmal brauchst du einfach eine Zeit, in der niemand etwas von dir möchte und du dich auf niemanden einstellen musst.

Wenn du merkst, dass du Ruhe brauchst, hör darauf, was dir in diesem Moment guttun könnte. Worauf hast du Lust? Was würde dir Freude machen? Wobei kannst du am besten abschalten, zur Ruhe kommen oder neue Kraft tanken?

Für den einen bedeutet das wirkliche Stille. Ein anderer möchte sich bewegen, rausgehen, lesen, etwas anschauen oder sich mit etwas beschäftigen, bei dem niemand eine Antwort erwartet. Was als Ruhe empfunden wird, kann sehr unterschiedlich sein. Ruhe muss nicht einmal still sein.

Wenn es möglich ist, nimm dir dafür die Zeit, die du gerade brauchst, und verbringe sie so, wie es für dich passt.

Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe. Der Wunsch, allein zu sein, ist deshalb nicht automatisch eine Ablehnung anderer Menschen. Du kannst Menschen sehr gernhaben und trotzdem Zeiten brauchen, in denen du nur für dich bist.

Manchmal ist einfach der Moment gekommen, in dem du allein sein möchtest. Und wie du diese Zeit verbringst, entscheidest du selbst.

Ich hoffe, dass du deine nächste Zeit für dich so verbringst und genießt, wie es dir in diesem Moment guttut.




Im Buch „Ich bin dein Gefühl – Band II: Schatten – Die herausfordernden Gefühle“ kommen unter anderem Überforderung und Erschöpfung selbst zu Wort und erzählen, wie sie sich anfühlen können, wie sie sich zeigen und warum der Wunsch nach Ruhe manchmal besonders stark wird, wenn lange zu viel auf einmal zusammenkommt.

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Die vier Bände der Buchreihe „Ich bin dein Gefühl“ von Aveline Gray
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