Sollte ich einem trauernden Menschen von meinen eigenen Verlusten erzählen?

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Wenn dir ein trauernder Mensch von seinem Verlust erzählt, kann sofort eine eigene Erinnerung auftauchen. Du möchtest zeigen, dass du selbst schon Trauer erlebt hast und etwas davon kennst. Gleichzeitig kann aus diesem gut gemeinten Satz schnell ein Gespräch über dich werden.

Von einem eigenen Verlust zu erzählen ist nicht grundsätzlich unpassend. Eine kurze persönliche Erfahrung kann Verbindung schaffen. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass der trauernde Mensch plötzlich deine Geschichte anhört, obwohl er gerade von seiner erzählen wollte.

Oft hilft es mehr, zuerst zuzuhören. Wenn du etwas Eigenes erwähnst, reicht ein kurzer Bezug. Danach kannst du wieder beim anderen bleiben und nachfragen, wie es ihm gerade geht. Du musst nicht ausführlich erzählen, was damals passiert ist, wie lange deine Trauer gedauert hat oder was dir geholfen hat.

Besonders vorsichtig wäre ich mit Vergleichen. Auch wenn zwei Menschen einen Elternteil, Partner oder Freund verloren haben, sind die Beziehungen und Lebenssituationen verschieden. Ein Satz wie „Ich weiß genau, wie du dich fühlst“ kann deshalb näher klingen, als du es tatsächlich wissen kannst.

Ein einfacher Maßstab kann helfen: Erzähle ich das gerade, weil es dem anderen guttun könnte, oder merke ich, dass meine eigene Trauer selbst wieder viel Raum braucht? Wenn dich das Gespräch stark an deinen eigenen Verlust erinnert, ist es völlig in Ordnung, später mit einem anderen Menschen darüber zu sprechen.

Fragt der trauernde Mensch dich ausdrücklich nach deiner Erfahrung, kannst du natürlich antworten. Auch dann muss aus deiner Geschichte kein Rat werden. Was dir geholfen hat, kann für den anderen ganz anders sein.

Wenn du bei solchen Gesprächen nach passenden Worten suchst, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 4 „Was du besser nicht sagst – und was du stattdessen sagen kannst“ ausführlichere Orientierung. Dort geht es auch um Vergleiche mit eigenen Erfahrungen, Formulierungen, die schwierig ankommen können, und mögliche Alternativen.

Du musst deine eigenen Verluste also nicht verschweigen. Ein kurzer eigener Satz kann reichen. Danach darf wieder der andere erzählen.




Wenn du merkst, dass du in einem Trauergespräch schnell bei deinen eigenen Erfahrungen landest, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 4 „Was du besser nicht sagst – und was du stattdessen sagen kannst“ eine ausführlichere Einordnung. Dort wird genauer gezeigt, warum Vergleiche mit eigenen Verlusten schwierig sein können, welche Formulierungen den anderen unbeabsichtigt aus dem Mittelpunkt rücken und welche Worte stattdessen näher bei seiner Situation bleiben. Du kannst diese Vertiefung sowohl im digitalen Download als auch im gedruckten Buch nutzen; beide Fassungen enthalten dieselben Inhalte.


Mitgefühl kann auch bedeuten, die eigene Geschichte für einen Moment zurückzustellen und aufmerksam bei einem anderen Menschen zu bleiben. In „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ kommt das Mitgefühl, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und beschreibt aus seiner eigenen Sicht, wie zugewandtes Dasein aussehen kann, ohne den Schmerz des anderen übernehmen oder erklären zu müssen. Die anschließenden Reflexionsseiten geben dir Raum, dein eigenes Mitgefühl genauer anzuschauen – auch dort, wo Zuhören wichtiger ist als die eigene Erfahrung.

Passend zu diesem Thema

Die Familie und die Kollegen kannten denselben Menschen auf unterschiedliche Weise. Zu Hause gab es andere Gewohnheiten, Gespräche und gemeinsame Geschichten als bei der Arbeit. Dort kanntet ihr seine Art in Besprechungen, seinen Humor in der Kaffeeküche, seine Hilfsbereitschaft oder einen Satz, den er immer wieder gesagt hat. Was die Familie mit ihm erlebt hat, war nicht dasselbe wie das,
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn ein trauernder Mensch im Gespräch weint, heißt das nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast. Ein Satz, eine Erinnerung, ein Blick oder einfach der Moment selbst kann Tränen auslösen. Du musst sie nicht aufhalten und auch nicht sofort etwas finden, das den Schmerz kleiner macht.
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am hilfreichsten ist es, anzuerkennen, wie schwer dieser Abschied gewesen sein kann. Du musst nicht erklären, warum die Einschläferung richtig war. Ein Satz wie „Das muss sehr schwer für dich gewesen sein. Es tut mir leid, dass du dich so von ihm verabschieden musstest“ kann schon reichen.
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Beerdigung ist nicht die einzige Möglichkeit, Anteilnahme zu zeigen. Wenn du nicht teilnehmen kannst oder möchtest, kannst du den Angehörigen trotzdem deutlich machen, dass du an sie denkst und den Verlust wahrgenommen hast. Oft reicht dafür schon ein kurzer persönlicher Gruß.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Noch nicht das passende Thema gefunden?

Suche nach einem Begriff, einer Situation oder einer Frage.

Hier kannst du weiterlesen

Wenn dich etwas Konkretes an einem trauernden Menschen beunruhigt, musst du nicht selbst herausfinden, was dahintersteckt. Du kannst dir fachlichen Rat holen und schildern, was du beobachtet oder gehört hast. Eine Diagnose brauchst du dafür nicht.
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine lustige Erinnerung kann sehr gut passen, wenn sie liebevoll erzählt wird und etwas Typisches über den verstorbenen Menschen zeigt. Vielleicht hatte dieser Mensch einen trockenen Humor, eine Angewohnheit, über die alle schmunzeln mussten, oder es gibt eine Begebenheit, die in der Familie oder im Freundeskreis schon oft erzählt wurde. Dann gehört auch diese Seite zu den Erinnerungen an diesen
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Du hörst einem trauernden Menschen zu und auf einmal ist dein eigener Verlust wieder ganz nah. Manchmal reicht ein bestimmter Satz, eine Erinnerung oder eine ähnliche Situation. Eigentlich wolltest du für den anderen da sein. Nun merkst du, dass das Gespräch auch etwas in dir berührt.
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Du musst keine besonderen Worte finden. Ein einfacher, ehrlicher Satz kann reichen: „Es tut mir sehr leid, was passiert ist.“ Damit nimmst du den Verlust ernst, ohne ihn erklären oder kleiner machen zu wollen. Mehr muss im ersten Moment oft gar nicht gesagt werden.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Du möchtest das Thema weiter vertiefen?

Du hast gerade einen Aspekt aus dem Umgang mit Trauernden gelesen. Im Ratgeber findest du weitere Situationen, Formulierungen und praktische Beispiele, die dir im Alltag Orientierung geben können.

Digitaler Ratgeber – flexibel nutzen

Du erhältst den Ratgeber sofort als PDF und kannst gezielt nach Situationen oder Begriffen suchen. Viele Themen werden ausführlicher erklärt als auf der Website und durch Formulierungen, Beispiele und praktische Hinweise ergänzt.

Digitaler Ratgeber "Wenn jemand in deinem Umfeld trauert" von Aveline Gray

Gedrucktes Buch – in Ruhe lesen

Die Buchausgabe enthält dieselben Inhalte in einer ruhigen, zusammenhängenden Form. Sie eignet sich besonders, wenn du lieber auf Papier liest, wichtige Stellen markieren oder den Ratgeber immer wieder zur Hand nehmen möchtest.

Gedrucktes Buch "Wenn jemand in deinem Umfeld trauert" von Aveline Gray
Nach oben scrollen

Möchtest du neue Artikel nicht verpassen?

Wenn du über neue Beiträge, Bücher und Ratgeber von mir informiert werden möchtest, kannst du dich hier zu meinem Newsletter anmelden.