Ein Mitarbeiter kommt nach einem Todesfall wieder zur Arbeit. Du möchtest ihm den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig warten Aufgaben, Termine und Kollegen, die wissen müssen, wie es weitergeht. Doch wie sprichst du über die Arbeit, ohne dass dein Mitarbeiter befürchten muss, schon wieder genauso viel leisten zu sollen wie vorher?
Nimm dir für das Gespräch Zeit und suche einen ruhigen Moment unter vier Augen. Sag ihm zunächst, dass dir sein Verlust leidtut. Danach könnt ihr gemeinsam auf die nächsten Arbeitstage schauen. Welche Aufgaben stehen an, welche Termine sind wichtig und wo könnte eine Veränderung helfen? Dein Mitarbeiter muss dafür keine privaten Einzelheiten erzählen oder erklären, wie er mit seiner Trauer zurechtkommt.
Wenn du bei solchen Gesprächen unsicher bist, findest du in meinem Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 18 „Arbeitsplatz und Kollegenkreis“ einen eigenen Abschnitt für Führungskräfte. Dort gehe ich ausführlicher auf Arbeitsbelastung, Aufgaben, Termine und Vertretungen ein. Du findest konkrete Gesprächsformulierungen und Hinweise, wie du das Team informieren kannst, ohne unnötig Privates weiterzugeben.
Wie viel jemand nach einem Todesfall bei der Arbeit schafft, kannst du ihm nicht ansehen. Ein Mitarbeiter wirkt gefasst, hat aber Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Ein anderer ist froh, wieder im Büro zu sein, weil ihm die gewohnten Abläufe guttun. Deshalb ist es weder hilfreich, ihm ungefragt alle Aufgaben abzunehmen, noch davon auszugehen, dass er sofort wieder alles wie bisher erledigen kann.
Gerade weil du seine Führungskraft bist, fällt es ihm möglicherweise schwer, offen über seine Belastung zu sprechen. Auf deine Frage, ob er zurechtkommt, antwortet er womöglich: „Ja, ich schaffe das schon.“ Vielleicht stimmt das. Es kann aber auch sein, dass er keine Schwäche zeigen möchte oder berufliche Nachteile befürchtet. Du solltest deshalb nicht allein aus seiner Antwort schließen, dass alles in Ordnung ist.
Überlege auch selbst, welche Entlastung du anbieten könntest. Muss eine Aufgabe unbedingt diese Woche erledigt werden? Lässt sich ein Termin verschieben oder vorübergehend eine Vertretung organisieren? Sprich die Möglichkeiten mit deinem Mitarbeiter durch und lass ihn bei der Entscheidung mitreden. Er sollte weder ungefragt Aufgaben verlieren noch um jede kleine Veränderung bitten müssen. Wichtig ist, dass eure Vereinbarungen auch tatsächlich umsetzbar sind.
Wenn ihr Aufgaben neu verteilt, müssen möglicherweise Kollegen darüber informiert werden. Dafür reicht es meist, ihnen zu sagen, wer vorübergehend wofür zuständig ist. Was dein Mitarbeiter dir persönlich über seinen Verlust erzählt, gehört nicht automatisch ins Team. Kläre möglichst vorher mit ihm, welche Informationen weitergegeben werden können. Sind bestimmte betriebliche Absprachen notwendig, sprich auch das offen an, statt eine Vertraulichkeit zu versprechen, die du nicht vollständig einhalten kannst.
Die neue Aufgabenverteilung muss nicht für die nächsten Monate gelten. Was heute gut funktioniert, kann in einigen Tagen anders aussehen. Vielleicht möchte dein Mitarbeiter später wieder mehr übernehmen oder merkt erst nach einer Weile, dass ihm bestimmte Aufgaben schwerfallen. Vereinbart deshalb einen Zeitpunkt, an dem ihr gemeinsam schaut, ob die bisherige Lösung noch passt. So bleibt ihr im Gespräch, ohne dass du ihn ständig nach seiner Trauer fragen musst.
Als Führungskraft kannst du einem Menschen seinen Verlust nicht abnehmen. Du kannst aber mit ihm nach Lösungen suchen, die ihm die Arbeit erleichtern, ohne ihn aus dem Team herauszunehmen. Er soll bei dir offen sagen können, wenn etwas zu viel wird, ohne befürchten zu müssen, deshalb als weniger zuverlässig zu gelten. Und er soll merken, dass es bei eurem Gespräch nicht nur darum geht, was er leisten kann, sondern auch darum, was du für ihn möglich machen kannst.
Die ersten Worte sind oft gar nicht das Schwierigste. Als Führungskraft musst du anschließend mit einem trauernden Mitarbeiter über Aufgaben und Termine sprechen, ohne ihn zu bedrängen. Im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ findest du in Kapitel 18 „Arbeitsplatz und Kollegenkreis“ einen eigenen Abschnitt für Führungskräfte. Er enthält konkrete Fragen und Gesprächsformulierungen zur Arbeitsbelastung, zu möglichen Entlastungen, Vertretungen und zur Weitergabe notwendiger Informationen im Team. Diese ausführlichere Unterstützung steht dir sowohl im gedruckten Buch als auch im digitalen Ratgeber zum Download zur Verfügung.
Wenn du als Führungskraft einen trauernden Mitarbeiter unterstützen möchtest, weißt du nicht immer sofort, was richtig ist. Diese Unsicherheit kann sich gerade in Gesprächen bemerkbar machen, in denen du zugleich verständnisvoll sein und Entscheidungen treffen musst. In „Ich bin dein Gefühl – Band II: Schatten – Die herausfordernden Gefühle“ kommt die Unsicherheit neben anderen Gefühlen selbst zu Wort. Auf den dazugehörigen Reflexionsseiten kannst du dich mit deinen eigenen Unsicherheiten beschäftigen und überlegen, was dir hilft, auch in schwierigen Gesprächen aufmerksam und ehrlich zu bleiben.
