Du sitzt vor einer leeren Trauerkarte. Deine Freundin Anna hat ihren Vater verloren. Du kennst auch ihre Mutter und ihre Geschwister und möchtest niemanden vergessen. Doch wie beginnst du? Mit „Liebe Anna“ oder „Liebe Familie Müller“? Du möchtest der ganzen Familie dein Mitgefühl zeigen, aber die Karte soll auch persönlich bleiben.
Überlege zuerst, zu wem du selbst eine Verbindung hast. Bist du mit Anna befreundet, kannst du die Karte direkt an sie richten, obwohl ihre Mutter und ihre Geschwister ebenfalls trauern. Du musst nicht nach einer bestimmten Rangfolge innerhalb der Familie suchen. Entscheidend ist, wem du persönlich schreiben möchtest und wie ihr miteinander verbunden seid.
Wenn du vor allem Anna nahestehst, spricht nichts gegen die Anrede „Liebe Anna“. Im weiteren Text kannst du auch ihrer Mutter und ihren Geschwistern dein Mitgefühl ausdrücken. Und selbst wenn du den Verstorbenen kaum kanntest, kannst du ihr herzlich schreiben. Du brauchst keine persönlichen Erinnerungen an ihren Vater, um zu zeigen, dass du an sie und ihre Familie denkst.
Falls du nach der Anrede auch beim eigentlichen Kartentext unsicher bist, findest du in meinem Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 10 „Trauerkarten schreiben“ ausführlichere Hilfe. Dort gibt es verschiedene persönliche und gemeinsame Anreden, Beileidssätze und vollständige Kartenbeispiele für unterschiedliche Beziehungen. Auch beim Aufbau der Karte und bei den passenden Schlussworten hilft dir das Kapitel weiter.
Kennst du dagegen die ganze Familie gut, kann eine gemeinsame Anrede viel schöner sein. „Liebe Familie Müller“ passt beispielsweise, wenn ihr euch so kennt und die Bezeichnung für diese Familie stimmig ist. Du kannst auch mehrere Angehörige mit ihren Vornamen ansprechen, wenn ihr euch nahesteht. Denk dabei ruhig auch an die Kinder und Geschwister. Ihre Trauer wird leicht übersehen, wenn sich die Anteilnahme hauptsächlich an den Partner oder die Eltern des Verstorbenen richtet.
Etwas schwieriger wird es, wenn die Angehörigen in unterschiedlichen Haushalten leben oder die Familienverhältnisse nicht ganz einfach sind. Es gibt getrennte Eltern, neue Partnerschaften und verschiedene Nachnamen. Dann passt eine gemeinsame Familienanrede nicht immer. Schreib lieber der Person, zu der du Kontakt hast, als eine Familiengemeinschaft vorauszusetzen, die so gar nicht besteht. Möchtest du mehreren Angehörigen persönlich dein Mitgefühl zeigen, kannst du ihnen auch getrennte Karten schicken.
Ein kleiner Unterschied ist außerdem wichtig: Auf dem Umschlag steht, bei wem die Karte ankommen soll. In der Karte selbst kannst du weitere Angehörige ansprechen oder in deine Anteilnahme einbeziehen. Schickst du deine Karte also an Anna, heißt das nicht, dass du ihre Mutter und ihre Geschwister im Text nicht erwähnen kannst.
Oft macht uns gerade der Wunsch, niemanden zu vergessen, das Schreiben schwer. Wir überlegen, ob jeder Name genannt werden muss und ob sich jemand ausgeschlossen fühlen könnte. Doch eine Trauerkarte ist keine Aufzählung aller Menschen, die um den Verstorbenen trauern. Du kannst dich an einen Menschen wenden, der dir nahesteht, und gleichzeitig zeigen, dass du an seine Familie denkst.
Eine Trauerkarte soll den Angehörigen sagen, dass ihr Verlust dir nicht gleichgültig ist. Dafür brauchst du keine Anrede, in der jeder einzelne Name vorkommt. Schreib an den Menschen oder die Familie, zu denen du eine Verbindung hast, und wähle Worte, die sich für euch richtig anfühlen. Dann kann deine Karte genau das sein, was du dir gewünscht hast: ein herzlicher Gruß in einer schweren Zeit.
Wenn du weißt, an wen deine Trauerkarte gehen soll, kommt oft die nächste Frage: Welche Worte passen zu euch? In „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ findest du in Kapitel 10 „Trauerkarten schreiben“ Anreden für einzelne Menschen und Familien, passende Beileidssätze, Schlussformeln und vollständige Kartentexte für unterschiedliche Beziehungen. Diese ausführlichen Beispiele stehen sowohl im gedruckten Buch als auch im digitalen Ratgeber zum Download zur Verfügung.
Schon bei der Wahl einer Anrede denkst du darüber nach, wem du mit deiner Karte dein Mitgefühl zeigen möchtest. Darin steckt Mitgefühl. In „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ kommt das Mitgefühl neben anderen Gefühlen selbst zu Wort. Auf den anschließenden Reflexionsseiten kannst du dich mit deinem eigenen Mitgefühl beschäftigen und darüber nachdenken, wie du es den Menschen zeigst, die dir wichtig sind – auch mit wenigen persönlichen Zeilen.
