Du hast ein Foto, das dir viel bedeutet. Es zeigt einen Menschen, der gestorben ist, in einem schönen Moment – lachend, unterwegs mit Freunden oder ganz alltäglich. Vielleicht möchtest du zeigen, wie wichtig er für dich war und dass du ihn nicht vergessen hast. Gerade wenn viele gemeinsam trauern, fühlt es sich schnell selbstverständlich an, das Bild auf Instagram, TikTok oder Facebook zu teilen.
Bevor du es veröffentlichst, solltest du dir trotzdem einen Moment Zeit nehmen. Ist der Tod überhaupt schon öffentlich bekannt? Wenn die Familie selbst noch nichts veröffentlicht hat, solltest du mit einem eigenen Beitrag warten. Und auch wenn der Todesfall bereits öffentlich ist, heißt das noch nicht, dass persönliche Fotos ebenfalls für alle bestimmt sind.
Ein Foto ist etwas anderes als ein kurzer Beileidskommentar. Es zeigt den Menschen selbst und oft auch einen Moment aus seinem Leben. Sobald du es öffentlich postest, kann es gespeichert, weitergeschickt oder auf anderen Seiten geteilt werden. Was für dich eine liebevolle Erinnerung ist, kann dadurch weit über den Kreis hinausgehen, für den du es gedacht hattest.
Für die Familie kann dasselbe Bild etwas anderes bedeuten als für dich. Eltern, Partner, Geschwister oder andere Angehörige haben eigene Erinnerungen und möglicherweise auch klare Wünsche dazu, welche Bilder öffentlich sein sollen. Bei einem jungen Menschen kann die Familie schon zu Lebzeiten bewusst darauf geachtet haben, wie viel von ihm im Internet zu sehen ist. Mit seinem Tod verschwindet diese Grenze nicht einfach.
Wenn du unsicher bist, frag lieber kurz nach: „Ich habe ein schönes Foto von ihm, das ich gern zur Erinnerung posten würde. Wäre das für euch in Ordnung?“ Ein Nein macht deine Erinnerung nicht weniger wichtig. Es bedeutet nur, dass dieses Bild privat bleiben soll.
Wenn du online Anteil nehmen möchtest und dir für solche Entscheidungen konkrete Worte und Beispiele wünschst, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 9 „Social Media nach einem Todesfall“ eine ausführliche Begleitung. Dort geht es um eigene Erinnerungsbeiträge, Fotos und Videos, öffentliche Kommentare, private Nachrichten und Erinnerungsclips. Außerdem findest du Formulierungen dafür, wie du vorher fragen kannst und was besser privat bleibt.
Schau dir vor dem Posten auch das Foto selbst noch einmal an. Ist es ein normaler gemeinsamer Moment oder zeigt es etwas sehr Persönliches, Intimes oder möglicherweise Unangenehmes? Würdest du es auch veröffentlichen, wenn die engsten Angehörigen gerade neben dir säßen? Wenn du dabei zögerst, ist es liebevoller, das Bild privat zu lassen.
Sind weitere Menschen auf dem Bild zu erkennen, betrifft die Entscheidung auch sie. Nur weil das Foto auf deinem Handy liegt oder von dir aufgenommen wurde, heißt das nicht, dass jeder darauf öffentlich gezeigt werden möchte.
Wenn du das Bild trotzdem gern weitergeben möchtest, kannst du es den Angehörigen zunächst privat anbieten. So geht die Erinnerung nicht verloren, und die Familie kann selbst entscheiden, was damit geschehen soll.
Auch rechtlich sind Bilder verstorbener Menschen nicht automatisch frei verfügbar. Für die persönliche Entscheidung hilft aber schon eine einfache Frage: Muss dieses Foto wirklich öffentlich sein?
Trauern und Erinnern dürfen sichtbar sein. Aber ein persönliches Bild verdient einen Moment mehr Überlegung. Du kannst zeigen, dass dir ein Mensch fehlt, ohne automatisch jedes Foto von ihm ins Internet zu stellen.
Wenn du dir beim Umgang mit Social Media nach einem Todesfall mehr Sicherheit wünschst, kannst du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 9 „Social Media nach einem Todesfall“ weiterlesen. Dort findest du zahlreiche konkrete Formulierungen für eigene Erinnerungsbeiträge, das vorherige Nachfragen und private Nachrichten sowie ausführliche Hinweise zu Fotos, Videos, Erinnerungsclips und Inhalten, die besser nicht öffentlich geteilt werden. So kannst du für eine konkrete Situation nachschauen, was passen könnte, ohne die Wünsche der Angehörigen aus dem Blick zu verlieren. Diese ausführliche Vertiefung ist sowohl im digitalen Download als auch im gedruckten Buch enthalten.
Wenn dich beim Posten vor allem der Wunsch bewegt, einem verstorbenen Menschen und seinen Angehörigen mit Rücksicht zu begegnen, passt das Mitgefühl aus „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ besonders gut. Dort kommt das Mitgefühl, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt aus seiner eigenen Sicht von einer Nähe, die da sein kann, ohne zu drängen oder alles lösen zu wollen. Die anschließenden Reflexionsseiten geben dir Raum, dein eigenes Mitgefühl genauer anzuschauen – auch in den Momenten, in denen ein kurzer Gedanke mehr entscheidet, ob eine Erinnerung privat bleibt oder öffentlich wird.
