Ein Kollege kommt nach einem Todesfall wieder zur Arbeit. Du weißt, was passiert ist, und möchtest nicht so tun, als wäre nichts gewesen. Gleichzeitig willst du ihn nicht vor den anderen in eine Situation bringen, in der er über seinen Verlust sprechen muss. Gerade dieser erste Kontakt kann sich für beide Seiten ungewohnt anfühlen.
Den Verlust kurz anzusprechen ist meist stimmiger, als ihn vollständig zu übergehen. Dafür braucht es keine langen Worte. Ein kurzer Satz wie „Es tut mir sehr leid, was passiert ist“ kann reichen. Wenn es sich einrichten lässt, sag ihn in einem ruhigen Moment und nicht mitten in einer Runde von Kollegen. So kann dein Gegenüber selbst entscheiden, ob es bei diesen wenigen Worten bleibt oder ob mehr daraus entsteht.
Du musst deinen Kollegen dafür nicht eigens in einen Besprechungsraum bitten. Wenn er aber anfängt zu erzählen oder ein längeres Gespräch entsteht, ist ein Ort angenehmer, an dem andere nicht mithören. Du kannst dann zuhören, ohne nach privaten Einzelheiten zu fragen. Möchte er dagegen einfach an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, darf auch das in Ordnung sein.
Wenn du bei solchen Situationen im Berufsalltag unsicher bist, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 18 „Arbeitsplatz und Kollegenkreis“ausführlichere Orientierung. Dort geht es unter anderem um konkrete Formulierungen, Gespräche im Team, Vertraulichkeit, praktische Entlastung und die besondere Rolle von Führungskräften.
Wie viel dein Kollege über den Verlust erzählen möchte, entscheidet er selbst. Das gilt auch dann, wenn andere im Team neugierig sind oder nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Fragen nach Einzelheiten musst du nicht stellen, nur weil sich gerade eine Gelegenheit dazu ergibt. Wenn dein Kollege etwas erzählen möchte, wird er selbst bestimmen, wie weit dieses Gespräch geht.
Was unter vier Augen gesagt wurde, sollte auch dort bleiben. Wenn später jemand fragt: „Was hat er denn erzählt?“, musst du den Inhalt des Gesprächs nicht weitergeben. Ein vertraulicher Moment wird nicht dadurch weniger vertraulich, dass die Kollegen ebenfalls betroffen oder neugierig sind. Dein Kollege sollte darauf vertrauen können, dass persönliche Dinge nicht anschließend durch das Büro wandern.
Nach diesem ersten Kontakt darf der Arbeitsalltag wieder Arbeitsalltag sein. Nicht jeder trauernde Mensch möchte bei jeder Begegnung auf den Verlust angesprochen werden. Für einige kann Arbeit sogar vertraute Abläufe und ein Stück Normalität bedeuten. Das heißt aber nicht automatisch, dass die Kraft für alles schon wieder da ist.
Deshalb hilft weder übermäßige Schonung noch die Erwartung, dass sofort alles wie vorher läuft. Du musst nicht erraten, was dein Kollege gerade braucht. Bleib aufmerksam, ohne ihn ständig zu beobachten, und nimm ernst, wenn er selbst sagt, was für ihn gut machbar ist.
Der Umgang mit einem trauernden Kollegen muss auf Dauer nicht unsicher bleiben. Für den Anfang reicht oft etwas sehr Einfaches: den Verlust nicht verschweigen, persönliche Gespräche vor neugierigen Ohren schützen und danach dem anderen überlassen, wie viel Gespräch, Rücksicht oder Normalität bei der Arbeit gerade für ihn passt.
Für den Berufsalltag gibt es oft mehr Fragen, als ein einzelner Artikel beantworten kann. Im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ findest du in Kapitel 18 „Arbeitsplatz und Kollegenkreis“ ausführlichere Orientierung zu Formulierungen, vertraulichen Gesprächen, Teamkommunikation, praktischer Entlastung und zur Rolle von Führungskräften. Der Ratgeber ist als digitaler Download und als gedrucktes Buch erhältlich, sodass du die Form wählen kannst, die für dich am besten passt.
Wenn du hinter einem respektvollen Umgang mit einem trauernden Kollegen auch das Gefühl betrachten möchtest, das dich dabei leitet, passt „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Darin kommt das Mitgefühl, neben vielen anderen Gefühlen, selbst zu Wort und beschreibt seine eigene Sicht auf zugewandtes Dasein, ohne alles lösen zu müssen. Die anschließenden Reflexionsseiten laden dich dazu ein, deinem eigenen Mitgefühl nachzuspüren – im Umgang mit anderen und auch mit dir selbst.
