Du weißt von dem Todesfall und begegnest dem trauernden Menschen zum ersten Mal danach. Im Hausflur, bei der Arbeit, auf der Straße oder vor der eigenen Haustür. Plötzlich wirkt jeder Satz zu groß, zu klein oder unpassend.
Was sagt man, wenn jemand gestorben ist? Oft genügen wenige ehrliche Worte: „Es tut mir sehr leid.“ Oder: „Mein herzliches Beileid.“ Solche Sätze sind schlicht. Gerade das kann in diesem Moment passend sein.
Du musst den Schmerz des anderen nicht leichter machen und auch keinen besonderen Trost finden. Die ersten Worte haben eine viel kleinere Aufgabe: den Verlust nicht zu übergehen und dein Mitgefühl auszudrücken.
Danach musst du nicht sofort weiterreden. Ein kurzer Moment Stille ist in Ordnung. Bleibt es bei einem leisen „Danke“, darf auch die Begegnung kurz bleiben. Beginnt der andere zu erzählen, kannst du zuhören. Die Reaktion deines Gegenübers zeigt dir oft besser als jeder vorbereitete Satz, ob gerade mehr Gespräch entstehen möchte.
Wie persönlich du sprichst, hängt auch davon ab, wie nah ihr euch seid. Einer guten Freundin begegnest du anders als einem Kollegen, einer Nachbarin oder einem Menschen, den du nur flüchtig kennst. Mehr Nähe bedeutet dabei nicht automatisch mehr Worte. Ein kurzer Satz kann auch bei einem vertrauten Menschen genau richtig sein.
Wenn du den verstorbenen Menschen selbst kanntest, kann ein kleiner persönlicher Zusatz passen, etwa dass du ihn geschätzt hast. Kanntest du ihn kaum oder gar nicht, musst du keine Verbindung herstellen, die es nicht gab. Dann reicht dein Mitgefühl für den Menschen, der vor dir steht.
Auch wenn dir selbst die Worte fehlen, musst du daraus keinen langen Moment machen. Du darfst ehrlich sein und trotzdem beim anderen bleiben. Ein einfacher Beileidssatz ist nicht weniger aufrichtig, nur weil er schon oft gesagt wurde. Deine eigene Unsicherheit darf da sein, ohne dass der trauernde Mensch am Ende dich beruhigen muss.
Gerade am Anfang ist es meist hilfreicher, beim Mitgefühl zu bleiben, statt den Tod zu erklären oder den Schmerz mit einem Trostsatz kleiner machen zu wollen. Du weißt in diesem ersten Moment oft noch nicht, welche Gedanken, Überzeugungen oder Worte der andere selbst als tröstlich empfindet.
Der Wunsch, alles richtig zu machen, kann eine solche Begegnung schwerer machen, als sie sein muss. Ein Satz wie „Es tut mir sehr leid“ kann den Verlust nicht kleiner machen. Das muss er auch nicht. Er kann einfach zeigen: Ich weiß, was geschehen ist, und ich nehme Anteil.
Was würde sich für dich bei einer solchen Begegnung in deiner Beziehung zu diesem Menschen natürlich anfühlen? Ein kurzer Satz, ein stiller Moment oder ein freundlicher Blick können sehr unterschiedlich aussehen und trotzdem ehrlich gemeint sein.
Wenn du dir für solche ersten Begegnungen mehr Orientierung wünschst, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 7 „Die ersten Worte nach der Todesnachricht“ weitere Formulierungen und zusätzliche Situationen, die bei einem ersten Kontakt entstehen können. Du erhältst den Ratgeber als digitalen Download oder als gedrucktes Buch.
Wenn du das Mitgefühl hinter solchen ersten Worten noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchtest, findest du es in „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“. Dort kommt das Mitgefühl, neben vielen anderen Gefühlen, selbst zu Wort und beschreibt aus seiner eigenen Perspektive, was es heißt, beim Schmerz eines anderen nicht einfach wegzusehen. Auf den anschließenden Reflexionsseiten kannst du weiterdenken, wo du Mitgefühl gibst und wie du es auch dir selbst gegenüber leben kannst.
