Wenn ein Jugendlicher einen nahestehenden Menschen verloren hat, kann es schwer sein, die eigene Rolle einzuschätzen. Du bist vielleicht Patin, Onkel, Nachbarin, Freund der Familie oder eine andere vertraute Person. Du möchtest für ihn da sein, ohne dich einzumischen oder mehr Nähe zu beanspruchen, als zwischen euch besteht.
Du musst ihn nicht zum Reden bringen. Oft hilft schon das Wissen, dass du ansprechbar bist und zuhörst, wenn er von sich aus sprechen möchte. Er darf selbst entscheiden, ob er über den Verlust, über etwas ganz anderes oder gerade gar nicht reden will.
Wenn es möglich ist und du Kontakt zu den Eltern oder Sorgeberechtigten hast, sprich dich vorher kurz mit ihnen ab. Frag, was der Jugendliche bereits weiß, ob es Punkte gibt, mit denen gerade besonders behutsam umgegangen werden soll, und was innerhalb der Familie bleiben soll. So vermeidest du, etwas anzusprechen, das noch gar nicht besprochen wurde. Diese Abstimmung heißt aber nicht, dass über den Jugendlichen hinweg entschieden werden sollte. Seine Privatsphäre und seine Wünsche zählen ebenfalls.
Jugendliche möchten ernst genommen und nicht wie kleine Kinder behandelt werden. Gleichzeitig sollten sie nicht plötzlich die Rolle eines Erwachsenen übernehmen müssen. Sie müssen nicht besonders vernünftig sein, die Familie zusammenhalten oder für Eltern und Geschwister stark sein. Auch sie selbst dürfen Unterstützung brauchen.
Seine Trauer muss nicht so aussehen, wie du sie erwartest. Ein Jugendlicher kann sich zurückziehen, knapp antworten, viel mit Freunden zusammen sein, Musik hören, Sport machen, zur Schule gehen oder zwischendurch lachen und Witze machen. Daraus lässt sich nicht einfach ablesen, wie sehr ihn der Verlust beschäftigt.
Wenn du dir für den Umgang mit einem trauernden Jugendlichen mehr Sicherheit wünschst, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 17 „Kinder und Jugendliche im Umfeld“ eine ausführliche Vertiefung. Dort geht es unter anderem um Gespräche mit Jugendlichen, die Abstimmung mit Eltern oder Sorgeberechtigten, Privatsphäre und Vertraulichkeit, Rückzug, Schule und Alltag sowie Beerdigung und andere Formen des Abschieds. Außerdem findest du dort konkrete Formulierungen und Hinweise dazu, wann zusätzliche Unterstützung wichtig werden kann.
Gerade weil du nicht zur engsten Familie gehörst, kann ein Gespräch mit dir leichter fallen. Manche Jugendliche halten zu Hause Fragen oder Gefühle zurück, weil dort andere ebenfalls trauern. Wenn er dir etwas erzählt, hör zu, ohne ihn auszufragen oder sofort eine Lösung finden zu wollen.
Was er dir anvertraut, solltest du nicht unnötig weitererzählen. Versprich trotzdem keine völlige Geheimhaltung. Wenn es um seine Sicherheit geht oder du dir ernsthaft Sorgen machst, kann es nötig sein, Eltern, Sorgeberechtigte oder eine andere geeignete erwachsene Person einzubeziehen. Sag ihm möglichst offen, wenn du Hilfe dazuholen musst.
Unterstützung kann auch ganz alltäglich aussehen. Ein Spaziergang, gemeinsames Essen, eine Fahrt zum Training oder Zeit für etwas, das ihm sonst Freude macht, kann ebenso passen wie ein Gespräch. Nicht jede Begegnung muss sich um den Verlust drehen.
Du musst für einen trauernden Jugendlichen keine besondere Rolle erfinden. Es kann schon viel bedeuten, wenn er erlebt, dass du ihn ernst nimmst, seine Grenzen achtest und trotzdem erreichbar bleibst.
Wenn du einem trauernden Jugendlichen nahestehst und dir in einzelnen Situationen mehr Sicherheit wünschst, bietet der Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 17 „Kinder und Jugendliche im Umfeld“ eine ausführliche Orientierung. Dort findest du Hinweise für Gespräche mit Jugendlichen, die Abstimmung mit Eltern oder Sorgeberechtigten, den Umgang mit Privatsphäre und Vertraulichkeit, Rückzug, Schule und Alltag sowie Beerdigung und andere Formen des Abschieds. Außerdem enthält das Kapitel konkrete Formulierungen und zeigt, worauf du achten kannst, wenn Belastungen stärker werden und zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein könnte. Diese Vertiefung ist sowohl im digitalen Download als auch im gedruckten Buch enthalten.
Wenn du dich fragst, was eine gute Begleitung ausmacht, passt das Mitgefühl aus „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ besonders gut. Dort kommt das Mitgefühl, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und beschreibt aus seiner eigenen Sicht eine zugewandte Haltung, die nicht drängen, urteilen oder alles lösen muss. Die anschließenden Reflexionsseiten geben dir Raum, dein eigenes Mitgefühl genauer anzuschauen – auch in den Momenten, in denen Dasein, Zuhören und das Respektieren von Grenzen wichtiger sind als viele Worte.
