Du erfährst, dass jemand eine Fehlgeburt hatte, und plötzlich fehlen dir die Worte. Du möchtest Anteil nehmen, hast aber Angst, etwas Falsches zu sagen. Vielleicht fragst du dich sogar, ob du den Verlust überhaupt ansprechen solltest. Dann kann Schweigen sicherer wirken. Für die Betroffenen kann es jedoch auch weh tun, wenn der Verlust gar nicht vorkommt.
Du musst keine besonderen Worte finden. Ein einfacher, ehrlicher Satz kann reichen: „Es tut mir sehr leid, was passiert ist.“ Damit nimmst du den Verlust ernst, ohne ihn erklären oder kleiner machen zu wollen. Mehr muss im ersten Moment oft gar nicht gesagt werden.
Gerade nach einer Fehlgeburt fallen schnell gut gemeinte Sätze, die Mut machen sollen: „Ihr seid noch jung“, „Ihr könnt es noch einmal versuchen“ oder „Zum Glück habt ihr schon ein Kind.“ Solche Worte richten den Blick sofort auf eine mögliche Zukunft. Dabei geht es gerade um diese Schwangerschaft und um das, was mit ihr verloren gegangen ist. Eine spätere Schwangerschaft oder ein bereits vorhandenes Kind macht diesen Verlust nicht kleiner.
Wie du über das Kind sprichst, kannst du an den Worten der Betroffenen erkennen. Sprechen sie von ihrem Baby oder nennen einen Namen, musst du beides nicht vermeiden. Erzählen sie wenig, brauchst du nichts herauszufragen. Bleib bei dem, was sie selbst mit dir teilen möchten.
Wenn du nicht weißt, was du in den nächsten Tagen sagen oder schreiben kannst, findest du im Ratgeber „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 5 „Besondere Todesumstände: Worte mit besonderer Vorsicht wählen“ viele weitere Beispiele. Dort werden Fehlgeburt und stille Geburt gesondert behandelt. Du findest Formulierungen für erste Worte, spätere Kontakte, beide Elternteile, Schuldgedanken, kleine Hilfsangebote und Sätze, die trotz guter Absicht verletzen können.
Auch der andere Elternteil sollte nicht einfach aus dem Blick geraten. Wer das Kind nicht selbst getragen hat, kann ebenfalls trauern und wird von anderen leichter übersehen. Trotzdem müssen beide nicht dasselbe fühlen, gleich viel erzählen oder auf die gleiche Weise mit dem Verlust umgehen.
Fragen nach medizinischen Einzelheiten brauchst du nicht zu stellen. Wenn jemand von sich aus erzählt, kannst du zuhören. Gerade bei Fragen wie „Habe ich etwas falsch gemacht?“ musst du keine schnelle Erklärung liefern. Wenn du die medizinischen Umstände nicht kennst, ist es besser, nichts zu behaupten, was du nicht wissen kannst.
Wenn ein persönliches Gespräch gerade nicht passt oder ihr sonst häufig schreibt, kann auch eine kurze Nachricht liebevoll sein. Sie kann gelesen werden, wenn dafür gerade Kraft da ist, und muss keine Antwort verlangen.
Und auch später darfst du dich wieder melden. Für Freunde, Kollegen oder Bekannte geht der Alltag nach einigen Tagen oft wieder weiter. Für die Betroffenen muss das nicht bedeuten, dass der Verlust schon weit weg ist. Ein kurzer Gruß kann einfach zeigen: Ich denke noch an dich.
Du musst diesen Verlust nicht mit Hoffnung überdecken, um etwas Liebevolles zu sagen. Oft ist es liebevoller, ihn anzuerkennen, ehrlich da zu sein und dem anderen zu überlassen, wie viel er erzählen möchte.
Wenn du nach einer Fehlgeburt nicht bei einem allgemeinen „Es tut mir leid“ stehen bleiben möchtest, sondern für unterschiedliche Momente passende Worte suchst, kannst du in „Wenn jemand in deinem Umfeld trauert – Was du sagen, schreiben und tun kannst“ in Kapitel 5 „Besondere Todesumstände: Worte mit besonderer Vorsicht wählen“ weiterlesen. Dort werden Fehlgeburt und stille Geburt gesondert behandelt. Du findest viele konkrete Formulierungen für erste Worte, spätere Nachrichten, beide Elternteile, Schuldgedanken und kleine Hilfsangebote sowie Beispiele für Sätze, die trotz guter Absicht verletzen können. Diese ausführliche Begleitung ist sowohl im digitalen Download als auch im gedruckten Buch enthalten.
Wenn du spürst, wie schwer es sein kann, bei einem solchen Verlust einfach da zu sein, ohne ihn erklären oder kleiner machen zu wollen, passt das Mitgefühl aus „Ich bin dein Gefühl – Band IV: Licht – Die hellen Gefühle“ besonders gut. Dort kommt das Mitgefühl, neben anderen Gefühlen, selbst zu Wort und erzählt davon, wie Nähe auch dann möglich ist, wenn man nichts lösen kann. Die anschließenden Reflexionsseiten geben dir Raum, dein eigenes Mitgefühl genauer anzuschauen – gerade in den Momenten, in denen wenige ehrliche Worte mehr bedeuten als ein schneller Trost.
